Falkensteis Weinprobe
Chianti mit Kaninchen

Wäre der hinreißend nach Schattenmorellen mundende Wein nur 15 Kilometer weiter nördlich gewachsen, dann könnte der Winzer ihn um die Hälfte teurer anbieten. So aber ist er kein Chianti Classico. Denn er stammt von den Colli Senesi.

Jener Bereich gilt als zweitklassig, was manchmal nur ein Vorurteil ist. Zumindest dieser glutvolle Tropfen nimmt es mit jedem besseren Klassiker aus dem toskanischen Herzland auf.

Vor 20 Jahren kaufte Guiseppe Mazzocolin, Eigner des angesehenen Weingutes Felsina in Castelnuovo Berardegna bei Siena, das 30 Kilometer entfernt liegende Castello di Farnetella. Mazzocolin hatte es der zierliche klassizistische Bau aus dem späten 18. Jahrhundert angetan. Zum Schloss gehören weitläufige Ländereien mit Olivenhainen und Rebgärten. Von denen kam ein ordentlicher Chianti, der nur nicht Classico heißen durfte. Mazzocolin war?s recht. So konnte er neben seinen teureren Felsina-Gewächsen einen grundguten, preiswerten Schluck anbieten.

Heute gilt der Wein vom Castello di Farnetella unter italienischen Genießern als Geheimtipp. Er wird in Castelnuovo Berardegna mit der dort üblichen Sorgfalt gefertigt, liegt ein Jahr lang in kleinen und großen Holzfässern, reift dann noch vier Monate in der Flasche, bevor er in den Verkauf geht.

Es gibt berühmtere Weingüter in der Toskana, doch keines, das so beständig und zuverlässig gute Qualität liefert wie die Fattoria di Felsina. Der 55-jährige Mazzocolin, ein hoch gebildeter, bewusst unscheinbar auftretender Herr, war Lateinlehrer in Florenz, als er die Tochter eines wohlhabenden Schiffsmaklers aus Ravenna heiratete. Der Schwiegervater liebäugelte mit einem Gut in der Toskana. So wurde aus dem Altsprachler ein beachtenswerter Winzer.

Der 2001er von Farnetella ist zu 93 Prozent aus der klassischen Sangiovese-Traube gekeltert und hat von daher den rassigen Geschmack von Sauerkirschen. Feine Töne von Pfeffer, Rauch und Minze mischen sich ein. Der noch jugendliche Tropfen rollt in sanften Wellen auf der Zunge an und überrascht mit immer neuen Aromen.

Valeria Toricelli, Köchin auf Felsina, empfiehlt Kaninchen zu diesem Wein: Schlegel in halb Butter, halb Öl goldbraun braten und warm stellen. In dem Fett dicke Zwiebelringe schmoren, mit Chianti und Bouillon ablöschen. Fleisch wieder zugeben und alles 40 Minuten zugedeckt köcheln lassen. Zum Abschluss zwei Esslöffel milden Senf einrühren. Dazu grüne Bohnen und gekochte, halbierte, mit der Schale gebratene kleine Kartoffeln servieren.

Traditionstraube

Wein 2001 Castello di Farnetella

Rebsorten Sangiovese und etwas Merlot

Anbaugebiet Colli Senesi - Toskana

Analyse 13,2° Alkohol, 5,5 g Säure, 1,6 g Restzucker (pro Liter)



Mindestens haltbar bis Ende 2005

Preis 8 Euro

Adresse

Weinhaus A. Tristano, Steinbücheler Weg 29 51061 Köln, Tel. 0221/601789, Fax - 603318

E-Mail info@tristano.de

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