Weingut Dürnberg
Anleihen aus der Malerei

Nach seinem Wirtschaftsstudium in Wien bekam Christoph Körner Lust, Winzer zu spielen. Das Hobby wurde zur Hauptbeschäftigung. Heute kann sich Körner, der das Weingut zusammen mit zwei alten Freunden betreibt, viel Zeit für den Grünen Veltliner nehmen. Ein Jahr lang reift dieser im Fass - und entfaltet so seine besonderen Aromen.
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HB. Falkenstein, ganz im Nordosten von Österreich gelegen, ist ein anmutiges Örtchen. Berühmt ist die Kellergasse, die sich in weitem Bogen bergauf krümmt. 65 Stollen sind dort in den Muschelkalk gegraben. Ein Keller gehört zum Gut Dürnberg. Weinmacher Christoph Körner lässt dort seinen besten Grünen Veltliner lange, lange reifen. In diesen Tagen erst wird der 2009er gefüllt. Ein Jahr lang ruhte der Schatz im großen Fass auf eigener Hefe.

Körner, 47 Jahre alt, stammt aus einem Falkensteiner Bauernhof mit Feldfrüchten, Vieh und einigen Rebgärten von den Großeltern. Er studierte Wirtschaft in Wien. Als er nach längerer Zeit wieder die Eltern besuchte, bekam er Lust, Winzer zu spielen. Ahnung hatte er nicht, doch gelang es ihm am Ende, tausend Flaschen mit einem durchaus trinkbaren Wein zu füllen.

Nach Abschluss der Studien gründete er gemeinsam mit seinem Vater Franz einen Importhandel für Luxusweine aus Italien und Frankreich. Das Geschäft lief prächtig. Und es blieb noch Zeit, das Reben-Hobby zu betreiben. Das Steckenpferd wurde rasch zur Hauptbeschäftigung. 2002 baute Körner am Rande des Dorfs ein neues Betriebsgebäude. Nun besaß er ein vollständiges Weingut mit 54 Hektar Reben, die Hälfte davon Grüner Veltliner. Er nannte es Dürnberg nach dem Hang, an dem es liegt. Vier Jahre stemmte er die doppelte Belastung. Dann verkaufte er seine Anteile an der Importfirma.

Voriges Jahr stiegen zwei alte Freunde ins Weingut ein, Jurist Georg Klein und Gastronomieexperte Matthias Marchesani. Sie übernahmen Verwaltung, Marketing und Verkauf. Körner hat endlich die Hände frei, um guten Wein zu machen.

Seine beste Lage ist der Rabenstein am Ostrand des Ortes, ein steiler, bis zu 360 Meter hoch aufragender Muschelkalk-Hang mit 40 und 50 Jahre alten Reben. Der Name dieses famosen Weinbergs soll von den Raben herrühren, die dort warteten, bis am Galgenberg gegenüber ein armer Sünder gehenkt wurde, um ihm dann die Augen auszuhacken. Es ist schon etwas kühler dort oben. Die Trauben reifen länger und speichern mehr Aromen.

Jetzt ist der 2008er im Angebot. Der Wein lag ebenfalls ein Jahr lang im großen Kellergassen-Fass. Um diesen kostbaren Tropfen zu beschreiben, sind Anleihen bei der impressionistischen Malerei nötig. Ein flirrendes, schimmerndes Spiel der Aromen wird frei. Der Reichtum der Düfte, die aus dem Glas aufsteigen, ist im Wortsinn atemberaubend: Flieder, Kardamom, feine Vanille und gutes Weißbrot sind zu ahnen. Die satte Mirabellen-Frucht geht mit einer Andeutung von Honig einher.

Zum Gut Dürnberg gehört die "Schmitt?n", ein altes Weinlokal, das 40 Jahre leerstand und dann von Körner hergerichtet wurde. Der Chef, der etwas vom Kochen versteht, bietet saftigen Schweinsbraten an, der mit dem Rabenstein-Veltliner prächtig harmoniert.

Pit Falkenstein ist Weinjournalist in Köln.

Rabenstein Jahrgang 2008

Rebsorte Grüner Veltliner

Anbaugebiet Österreich

Analyse 13,2ll Alkohol, 4,9 g Säure, 4,0 g Restzucker (pro Liter), Trinken bis 2012

Preis ab Hof 12,00 Euro

Adresse Weingut Dürnberg

Neuer Weg 284

A-2162 Falkenstein

Tel.: 0043 / 2554 / 853 55

Fax: 0043 / 2554 / 853 55 30

weingut@duernberg.at

www.duernberg.at

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