Weingut Von Othegraven: Eigenwillige Weine und Menschen

Weingut Von Othegraven
Eigenwillige Weine und Menschen

Schon Günther Jauchs Großtante Maria von Othegraven sorgte mit ihrem unerhört herben Wein für mächtiges Aufsehen. Sie übergab das Weingut an ihre Nichte, eine Ärztin. In TV-Moderator Jauch führt es nun ein weiterer Quereinsteiger. Wie die Weine von der Saar schmecken.
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Im Jahr 1968 stand Maria von Othegraven unvermittelt allein da. Ihr Mann Maximilian, Inhaber des gleichnamigen Weingutes in Kanzem an der Saar, war überraschend gestorben. Und sie musste nun die Ernte einbringen. Es war ein lausiger Herbst. Den ganzen Oktober über hatte es geregnet. Erst an Allerheiligen brach die Sonne durch. Die Witwe ließ sich nicht beirren. Der Jahrgang sollte, wie auch immer, doch noch mit einem beachtlichen Wein gekrönt werden. Sie wartete bis zum ersten Schneefall und brachte eine Riesling-Auslese in den Keller. Weil sie und ihr Mann immer einen herben Geschmack bevorzugten, ließ sie den Most völlig durchgären. Es kam ein Wein dabei heraus mit einer, wie es so nett heißt, "fordernden Säure".

Im Jahr darauf, bei der Versteigerung des "Großen Rings", einem Verein bedeutender Güter der Region, brachte von Othegraven diese Auslese mit. Sie erregte, was Wunder, mächtiges Aufsehen. Der unerhört herbe Tropfen stand inmitten honigsüßer Kostbarkeiten. Zu der Zeit gab es an der Saar so gut wie keine trockenen Weine und schon gar keine Auslesen ohne sogenannte "dienende Süße". Es war köstlich zu beobachten, wie die meisten Teilnehmer verstohlen von dem "harten Knochen" kosteten. Sie schüttelten sich zwar insgeheim, aber empfanden doch gehörigen Respekt.

Maria von Othegraven wurde 99 Jahre alt. Sie verstarb 1995. Die herbe Tradition wird weiter geachtet. So hielt es Dr. Heidi Kegel, eine Nichte der alten Dame. Sie war früher Chefärztin am Kölner St.-Agatha-Krankenhaus, übernahm dann auf Drängen ihrer Tante das Weingut, das sie schließlich erbte. Sie hat sich nie etwas vorgemacht und immer betont, dass sie sich als Nicht-Fachfrau arg überfordert fühlte. Ein glücklicher Zufall brachte sie mit Andreas Barth zusammen, der erst nebenbei und später gänzlich die Aufsicht über Keller und Weinberge übernahm. Ihm gelang es rasch, den vernachlässigten Betrieb wieder Glanz zu geben.

Nun da Heidi Kegel in die Jahre gekommen war, suchte sie für sich einen Nachfolger und fand ihn in Günther Jauch. Er stammt aus der Eignerfamilie; Maria von Othegraven war seine Großtante. Auch der smarte TV-Befrager weiß, dass er nur über begrenzte Kenntnisse vom Weinbau verfügt. So war er klug genug, die eingespielte Mannschaft um Kellermeister Barth zu übernehmen und ihn überdies zum Geschäftsführer zu machen. Klar, dass im Gut von Othegraven dem trockenen Riesling nach wie vor besondere Aufmerksamkeit zuteil wird.

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