Winzerei Meiser in Rheinhessen: Die kleine Revolution

Winzerei Meiser in Rheinhessen
Die kleine Revolution

Das rheinhessische Winzerpaar Doris und Frank Meiser bewirtschaftet zwei Weingüter. Auf dem einen darf es nach einer kleinen Revolution zwischen den Weinstöcken nun ökologisch wuchern. Auf dem anderen sorgt roter Sandstein für die besondere Rasse der Weine.
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HB. Frank Meiser ist ein hagerer, in sich gekehrter Mann. Die strenge Brille unterstreicht das ernste Gesicht. Es passt zu ihm, dass er sich mit der Geschichte seiner Region beschäftigt. Wie ein Winzer sieht er nicht unbedingt aus.

Dabei stand schon in früher Jugend fest, dass er mit Wein zu tun haben wird. Nur im elterlichen Hof in Gau-Köngernheim mochte er nicht bleiben. Vater Erich Meiser liebte üppige Spätlesen mit Süße und viel Bukett – typisch rheinhessisch damals.

Dem Sohn schwebte ein anderer Geschmack vor. Gleich nach dem Abitur ging er auf Wanderschaft in verschiedene Weinregionen und studierte an den Hochschulen in Geisenheim und Colmar. 1989 fand er endlich wieder zurück nach Gau-Köngernheim. Im Jahr drauf stieg er in den Betrieb des Vaters ein. „Den Keller hatte er mir kampflos überlassen“, erinnert sich Frank Meiser, „nur in den Weinbergen draußen ging es nicht ohne Revolution.“ Der Senior war stolz auf unkrautfreie Rebgärten, in denen Mengen praller Trauben wuchsen. Der Sohn war da völlig anderer Meinung.

Rigoros setzte er Begrünung und drastische Minderung der Erträge durch. Statt der überkommenen Bukettsorten wurde Burgunder gepflanzt. Zwischen den Weinstöcken darf es nun ökologisch wuchern. Frank Meiser dünnt den Ertrag beherzt aus und halbiert auch schon mal Trauben um des volleren Geschmacks willen. Bei 30 Hektar ist da reichlich Handarbeit nötig – typisch rheinhessisch heute.

Gemahlin Doris brachte ein eigenes Weingut mit in die Ehe. Und die 46-jährige Winzermeisterin pocht darauf, dass dies der schönere Teil des Meiser’schen Reiches ist. Dort in Weinheim nahe Alzey tritt roter Sandstein zutage, der den Weinen eine besondere Rasse mitgibt.

Zu diesem zweiten Betrieb gehört die mehr als hundert Jahre alte Poppenschenke, ein weithin beliebtes Weinlokal. Ein Besuch lohnt sich, nicht nur wegen der deftigen Speisen und guten Tropfen. Es finden sich Kunstschätze dort, so ein anlässlich der Hochzeit Napoleons gefertigter Fassboden mit dem Bildnis der Braut Marie-Louise.

Zur ersten Begegnung mit Frank Meiser kam es im März bei der Messe Pro Wein in Düsseldorf. Seine Gewürztraminer-Spätlese trocken aus Weinheim wurde in den Notizen mit drei Sternchen und einem Ausrufzeichen festgehalten. Beim Nachprobieren vor ein paar Tagen wiederholte sich die Begeisterung. Der Duft nach Heckenrosen, Minze und Wacholder macht geradezu trunken. Die Frucht von Lychees und jener wundervollen Birnensorte „Gute Luise“, füllt den ganzen Mund aus. Eine Andeutung von Süße macht den Wein noch festlicher. Eine frische Säure trägt dazu bei, dass der Tropfen noch hübsch schlank erscheint – perfekte Abrundung zu einem Käseteller.

Es muss jemand lange durch das Gewürztraminer-Land Elsass fahren, um dort eine ähnliche Köstlichkeit zu finden.

Pit Falkenstein ist Weinjournalist in Köln Weinheimer Kirchenstück

Jahrgang 2009
Rebsorte Gewürztraminer
Anbaugebiet Rheinhessen
Analyse 14,2ll Alkohol, 5,2 g Säure, 8,0 g Restzucker (pro Liter)
Trinken bis 2012
Preis ab Hof 6,80 Euro
Adresse
Frank und Doris Meiser
Alzeyer Straße 131
55239 Gau-Köngernheim
Tel.: 06733 / 508
Fax: 06733 / 8326

frank.meiser@weingut-meiser.de
www.weingut-meiser.de

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