Falsch und irreführend
Bahn weist Berichte über Unpünktlichkeit energisch zurück

dpa-afx BERLIN. Die Deutsche Bahn hat Medienberichte über große Probleme mit der Pünktlichkeit ihrer Züge zurückgewiesen, eigene Angaben über Verspätungen im Fernverkehr aber nicht gemacht. Die Behauptung, wonach nur 68 Prozent der Züge im Personenverkehr pünktlich seien, sei falsch und irreführend, teilte die Bahn am Sonntag mit. Auch die Behauptung, die Bahn habe weniger Geld in die Infrastruktur investiert als geplant, entspreche nicht den Tatsachen.

Mehrere Medien hatten zuvor unter Berufung auf interne Bahn-Statistiken berichtet, dass im September nur 68 Prozent der Personenzüge im Fernverkehr mit weniger als fünf Minuten Verspätung und damit pünktlich im Zielbahnhof ankamen. Laut "Bild am Sonntag" erreichte im September fast jeder dritte Zug im Fernverkehr sein Ziel mit deutlicher Verspätung. Auch im August hätten sich die Züge oft verspätet.

Nur 78 Prozent der Personenzüge im Fernverkehr seien pünktlich gewesen, im Güterverkehr sei die Quote auf 65 Prozent gerutscht. Grund seien viele neue Baustellen sowie ein Investitionsrückstand bei der Instandhaltung des Schienennetzes. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte vor zwei Jahren eine Pünktlichkeit von 95 Prozent versprochen.

Monatsstatistiken seien "Momentaufnahmen und daher wenig aussagekräftig", entgegnete ein Bahnsprecher. Er verwies zugleich auf Besonderheiten in diesem Jahr. So habe es einen langen Winter, die Fußball-WM und dann eine Hitzeperiode gegeben, in der nicht gebaut werden konnte. Hier gebe es nun viel nachzuholen, sagte er und fügte hinzu: "Dies kann auch zu betrieblichen Einschränkungen führen". Für das gesamte Jahr 2006 rechne die Bahn wie in den Vorjahren mit einer Pünktlichkeitsquote von 90 Prozent.

Nach Angaben des Magazins "Focus" kommen fast alle Züge auf den Strecken Köln-Hamburg, Köln-Berlin oder München-Kempten-Lindau zehn bis 15 Minuten zu spät an. Verantwortlich dafür seien Einsparungen bei der Instandhaltung des Schienennetzes, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise.

Der Bahnsprecher betonte hingegen, dass der Konzern zwischen 2001 und 2005 mit steigender Tendenz deutlich über eine Milliarde Euro in die Instandhaltung investiert habe. Darüber hinaus "fließen jährlich weit mehr als drei Mrd. Euro" in das bestehende Schienennetz. Von einem Investitionsrückstand könne daher keine Rede sein. Solche Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage.

Wie "Euro am Sonntag" berichtet, hat die Bahn vor allem im Fernverkehr Probleme. Ein Grund seien die Terrormeldungen in den vergangenen Wochen. Der Fahrgastverband Pro Bahn bestätigte, dass im Fernverkehr derzeit "nicht mehr als 80 Prozent" der Züge pünktlich sind. Im Nahverkehr liegt die Quote dagegen bei über 90 Prozent.

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