Fidget Spinners boomen Spielzeug gegen Langeweile und kaputte Hände

Die Spielwarenbranche ist elektrisiert: Fidget Spinners haben das Zeug zu einem Sommermärchen. Hunderttausende der Handkreisel sind trotz Lieferengpässen bundesweit bereits verkauft worden. Was macht ihren Reiz aus?
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Schottlands erste Ministerin, Nicola Sturgeon, probiert den Fidget Spinner aus, ein Handkreisel, der im Trend liegt. Quelle: Reuters
Ministerin testet Spielzeug

Schottlands erste Ministerin, Nicola Sturgeon, probiert den Fidget Spinner aus, ein Handkreisel, der im Trend liegt.

(Foto: Reuters)

HannoverPink ist schon ausverkauft. Auch der letzte Fidget Spinner in Tarnfarben geht soeben über die Ladentheke. Kjell hat ihn ergattert. Der 15-Jährige aus Hambergen bei Bremen ist auf Klassenfahrt in Hannover und macht mit seinem Freund Michel einen Abstecher in die Spielwarenabteilung eines großen Kaufhauses. Warum er den Handkreisel kauft?

„Es ist im Moment angesagt und wenn man im Unterricht sitzt, kann man damit rumspielen“, sagt Kjell. Klassenkamerad Michel ergänzt: „Manche Lehrer empfehlen es sogar, dann reden wir wenigstens nicht so viel miteinander.“

Das Fidget-Spinner-Fieber grassiert in Deutschland, seit der Trend vor wenigen Wochen aus den USA herübergeschwappt ist. Es gibt wohl keinen Schulhof, auf dem die handtellergroßen Spielzeuge nicht kreisen. Optisch erinnern sie an eine Kreuzung aus Propeller und Ninja-Wurfstern. Gibt man ihnen einmal einen Schwung, wirbeln die bunten Dinger je nach Qualität des Kugellagers teilweise minutenlang.

Rote-Beete-Eis mit Switchel-Tonic
A wie Aqua-Fitness
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Freibadbesuch und Ausflüge zum See gehören zum Sommer, angesagt sind jetzt aber auch (sehr anstrengende) Aqua-Fitness-Kurse - also beispielsweise mit speziellen Fahrrad-Ergometern, die im Nichtschwimmerbereich eines Pools stehen. Für Leute, die eher kurz und intensiv - etwa 20 Minuten pro Woche - trainieren wollen, etablieren sich dagegen immer mehr EMS-Studios in den Städten. Bei der Elektro-Muskel-Stimulation sind Menschen verkabelt und führen Übungen mit verstärkenden Stromstößen aus.

Quelle: dpa

B wie Bold-Cut
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Männliche Trendfrisur, eine Art Topf-Haarschnitt – gleichlange Deckhaare, aber rundherum über den Ohren ein paar Zentimeter komplett rasiert.

C wie Canada
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Der Staat Kanada feiert 150. Geburtstag im Juli und gilt Szenereiseführern wie „Lonely Planet“ als Trendziel des Jahres.

D wie Documenta
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Für viele Kunstliebhaber wird im Sommer während der nur alle fünf Jahre stattfindenden Schau ein Kurztrip nach Kassel zum Pflichttermin (oder nach Athen als zweite documenta-Stadt).

E wie Eis
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Der Verband Uniteis kürte Schokoladensorbet zum „Eis des Jahres“. Auch Gemüse-Eis (Im Bild: Rote Beete) ist im Kommen. Cool ist auch mit Kohlenfarbstoff gefärbtes Vanilleeis in Eisdielen, das dann ganz schwarz zum Beispiel „Darkside“ heißt oder „Asphalt und Beton“.

F wie Fidget Spinner
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Nach dem digitalen Pokémon Go letztes Jahr ist das diesjährige Hype-Spiel analog. Das Drehspielzeug für nervöse Fingerspitzen ist nicht nur auf Schulhöfen der Renner. Die Scheibchen mit Kugellager in der Mitte funktionieren recht simpel. Mittelfinger und Daumen packen in der Mitte zu, dann wird mit dem Zeigefinger fleißig gedreht. Eigentlich soll der Fidget Spinner („fidget“ bedeutet fummeln/herumzappeln; „spinner“ heißt Kreisel) bei der Konzentration helfen, Lehrer beklagen aber das genaue Gegenteil.

G wie Gin-Tonic-Coffee
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Angeblich werden nun zwei Lieblingsgetränke vieler Menschen kombiniert - der Longdrink Gin Tonic und Kaffee. Von der Deutschen Barkeeper-Union heißt es dagegen, das sei mehr Lifestylemagazin-Hype als Trend.

Der Wirbel sei derzeit größer als das Produktangebot, räumt Willy Fischel ein. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels geht von einem Umsatz von mindestens einer Million Euro seit März aus. Die meisten Fidget Spinner kosteten zwischen vier und sechs Euro, es gebe aber auch Modelle mit besonderer Ausstattung wie kleinen LED, für die bis zu 30 Euro bezahlt werden müsse.

Im Moment lassen die Händler die kleinen Scheiben sogar per Flugzeug einfliegen, weil die Schiffsladungen so lange brauchen. „Wenn die Schiffe da sind, wird sich in Deutschland noch mehr drehen“, prognostiziert Fischel. „Im Vergleich zu Vorgängern wie Tamagotchi, Furby oder Slime entwickelte sich die Nachfrage bei Fidget Spinner in Lichtgeschwindigkeit.“

Im Kaufhaus in Hannover bildet sich eine Schlange. Manuela Dankenbrink sitzt an der Kasse lässt einen neongrünen Spinner aus Plastik und Metall auf der Kuppe ihres Zeigefingers kreisen. „Es soll ja auch bei kaputten Händen helfen“, sagt die Verkäuferin. Sie habe vor ein paar Tagen innerhalb von zwei Stunden 50 Stück verkauft.

Allerdings ist die Idee nicht neu. Die Amerikanerin Catherine Hettinger soll das Millionen-Gadget bereits 1997 erfunden und zum Patent angemeldet haben. Acht Jahre lang hielt sie es, ohne Geld damit zu verdienen. Dann gab sie ihr Patent aus finanziellen Gründen ab, weil sie sich die Gebühr von damals rund 400 US-Dollar nicht leisten konnte. Heute sind Produzenten aus China dick im Fidget Spinner-Geschäft und Hettinger entgeht höchstwahrscheinlich ein enormes Vermögen.

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