First-Class-Pyjama
Modisch abheben

Die Dienstfahrt-Uniform für fliegende Führungskräfte ist der Pyjama. In der First Class gibt es den gratis – von Givenchy, Christian Lacroix, Van Laack oder Shanghai Tang. Das Bett wird während des Umziehens vom „Turndown Service“ mit einer Matratze belegt – mit Daunendecken und fluffigen Kissen.

Die erste Klasse auf dem Weg von Hongkong nach Frankfurt sieht aus, als sei in den Führungsetagen ein martialischer Dress-Code eingeführt worden. Nach dem Digestif war ein maßgekleideter Herr nach dem anderen in der Bordtoilette verschwunden, um kurz darauf in einem schwarzen Kung-Fu-Anzug wieder zurückzukommen. Eine Jacke mit Stehkragen und Knotenknöpfen, giftgrün gefasst, dazu eine dünne Hose mit weiten Beinen und ebenso grünem Tunnelzug-Bändchen.

In Wahrheit sind die baumwollenen Uniformen die gehobene Version des Business Attire, der Hausanzug für die Geschäftsreise auf Unternehmensspitzenniveau. Denn während sparsamere Deal-Flieger im Anzug schlafen, genießen die Gäste im vorderen Maschinenteil das ganze Ritual des Zubettgehens, das Abstreifen des Tagwerks mitsamt den Arbeitsklamotten. In der First Class muss niemand am nächsten Tag verkrunkelt und mit nicht ganz taufrischen Sachen aus dem Flieger stolpern, denn zum Zubettgehen werden Pyjamas gereicht, natürlich im Preis inklusive. Bei Cathay Pacific stammen sie von Shanghai Tang, einem Label, das für seine kräftigen Farben bekannt ist. Derzeit verwendet Cathay Nachtblau und Türkis.

Über die Vorzüge der First Class ist schon viel geliebäugelt und gelästert worden, dabei fallen meist die Begriffe Champagner (mit der Subordination „Krug“ oder „Cristal“ geschmückt), Kaviar („Beluga“ versteht sich von selbst, „Imperial“ oder zumindest „Royal“ wird erwartet). Dabei ist es, mal abgesehen von der Tatsache, dass man ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad sich ungern von jedem Passagier anglotzen lassen will, das eigentliche Privileg der First Class, im Schlafanzug ins Bett zu huschen, ohne sich dabei auch nur im mindesten seltsam vorzukommen. .

Singapore Airlines reicht Anzüge von Givenchy. in jogginganzugmelierter grauer Baumwolle – im Stil Rocky Balboa trainiert fürs Comeback –, mit Stehkragen, Reißverschluss und etwas labberigen Bündchen an den Beinen. Von Givenchy stammt übrigens auch das Geschirr an Bord – das muss allerdings im Flieger bleiben.

Lufthansa interpretiert das Übernachtungsthema in Richtung Rugby. Die Lufthansa-Luxusklasse bekommt einen Anzug vom Hemdenschneider Van Laack gereicht, mit weißem Kontrastkragen und einer weißen Bauchbinde. Auf der Brust prangt ein dezentes Van-Laack-Logo und ein gelber Streifen im Kragen greift die Lufthansa-Farbgebung auf. Wer allerdings reine ägyptische Baumwolle erwartet, wird enttäuscht. Der Baumwolle ist ordentlich Polyester beigemischt, dadurch kommt er weitgehend knitterfrei aus der Verpackung.

Französich dezenter der Stil bei der Air France. Das Kabinenpersonal bedient in Uniformen von Christian Lacroix, seitdem die Airline ihre Flugklassen neu geordnet hat. Die „l’Espace Première“ hat seither nur noch acht statt zwölf Sitze. Und neben Matratze, antiallergischen Kissen und Daunendecken gibt es auch passende Nachtoutfits des französischen Designers. Das weiße V-Ausschnitt-Modell im Yoga-Look ist weicher als die Konkurrenz und verzichtet auch auf Tunnelzüge. Das große Logo auf der Innenseite würde sich auf der Außenhaut besser machen, dort prangt jedoch ein Lacroix-Aufnäher.

Trotz allem Luxus der großen Labels wirken die Erste-Klasse-Anzüge wie der Wochenendlook von Couch-Potatos, die sich auf ein paar Stunden vor dem Fernseher eingerichtet haben. Aber wahrscheinlich ist gerade das der Luxus, den man sich erst einmal leisten können muss.

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