Fische statt Feile

Wenn Saugbarben als Fußpfleger arbeiten

Manche Menschen mit Hautkrankheiten schwören auf „Dr. Fish“ zur Linderung ihrer Symptome. In vielen Städten wuseln Saugbarben durch Aquarien – und arbeiten als Fußpfleger. Dermatologen und Tierschützer sind skeptisch.
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Inez Paulweber hat ihre „Garra Rufa Lounge“ in Kiel 2011 eröffnet und ist von der Heilkraft der Saugfische überzeugt. Quelle: dpa
Saugbarben als Fußpflegerhelfer

Inez Paulweber hat ihre „Garra Rufa Lounge“ in Kiel 2011 eröffnet und ist von der Heilkraft der Saugfische überzeugt.

(Foto: dpa)

KielDie kleinen Fußpfleger machen ihrem Namen alle Ehre. Sobald ein Kunde der „Garra Rufa Lounge“ die Füße ins 29 Grad warme Wasser taucht, stürzen die Saugbarben (Garra Rufa) daauf zu. Die Fischchen beginnen sofort, mit ihren kleinen Mäulern zu knabbern: Unter der Fußsohle, am Spann, an den Zehen. Die Barben entfernen Hornhaut. Es kitzelt leicht, vor allem wenn die Garra Rufas versuchen, zwischen die Zehen zu gelangen. Das Gefühl ist merkwürdig, aber nicht unangenehm.

Fisch-Spas und Fisch-Pediküre-Salons wie diesen in Kiel gibt es mittlerweile in vielen Städten, in kleineren wie in Metropolen wie Berlin und Hamburg. Genaue Zahlen, in wie vielen Frisierstuben, Massage- und Schönheitssalons die Fische eingesetzt werden, gibt es nicht. „Es werden auf jeden Fall mehr“, sagt Philip-Valerius Bacher. Er betreibt seit 2011 einen Onlineversand für die Tiere, die ursprünglich aus der türkischen Kangalregion stammen.

Die zehn merkwürdigsten Angstmacher
Clinophobie: Angst, ins Bett zu gehen
1 von 10

Wird es Abend, ergreift die Müdigkeit den Körper und die Clinophobiker beginnen zu zittern. Nicht aus müdigkeitsbedingter Schwäche. Sondern aus Angst davor, ins Bett zu gehen. Tag für Tag kämpfen sie dagegen. Für die meisten ist es der kuscheligste Moment des Tages. Für Menschen mit Clinophobie ist es eine grausame Vorstellung. Kinder glauben, ein Monster unter ihrem Bett zu haben. Erwachsene haben Angst davor, nie wieder aufzuwachen.

Quellen: Andrea Ege, Journalistin und PR-Expertin in „Die ganze Welt von 1 bis 10“/ zehn.de

Alliumphobie: Angst vor Knoblauch
2 von 10

So vergrault man nicht nur Vampire: Es ist unangenehm, mit jemandem zu reden, der aus dem Mund nach Knoblauch riecht. Doch noch unangenehmer ist es, wenn man sich allein vor der Knoblauchknolle fürchtet. Mit dem Anblick und dem Geruch – egal, ob aus dem Mund oder woher dieser sonst gerade kommt – kommen diese Menschen einfach nicht klar. Nicht selten graust es Alliumphobikern nicht nur vor Knoblauch, auch ganz normalen Zwiebeln gehen sie mehr als gerne aus dem Weg.

Chaetophobie: Angst vor Haaren
3 von 10

100.000 bis 150.000 Haare schmücken – mehr oder weniger – die Menschen. Täglich verlieren sie davon rund 60 bis 100 Stück. Jedes einzelne, egal an welchem Körperteil oder wo auf dem Boden liegend, versetzt Chaetophobiker in Panik. Friseursalons sind für sie ein moderner Auswuchs der Hölle. Jeder Schopf auf jedem Kopf ein monströses Ödem. Kahlköpfe haben sie deshalb am liebsten.

Ouranophobie: Angst vor dem Himmel
4 von 10

Der Horizont der von Ouranophobie geplagten Menschen beschränkt sich auf den Asphalt unter den Füßen. Draußen nach oben schauen geht gar nicht. Denn der Himmel ist angsteinflößend. Und versetzt sie in panische Angst. Jeder Innenraum erscheint wie ein Paradies – am liebsten ohne Fenster.

Apotemnophobie: Angst vor Personen mit Amputationen
5 von 10

Es ist furchtbar für Menschen, wird ihnen ein Körperteil amputiert. Genauso schlimm empfinden es Apotemnophobiker. Sie ertragen den Anblick eines nicht kompletten Körpers nicht. Ganz gleich wie lieb, nett und attraktiv ihr Gegenüber trotz des Handicaps ist. Meist sind sich diese Phobiker durchaus bewusst, dass von einer Person mit Amputation keine Gefahr aus geht. Nichtsdestotrotz sitzt ihnen die Angst vor ihnen im Nacken. Gleichzeitig graust es Apotemnophobikern natürlich – wie den meisten anderen Menschen – vor der Entfernung eines Körperteils.

Geniophobie: Angst vor dem Kinn
6 von 10

Je kleiner das Kinn eines Menschen ist, desto besser besser ist es für Geniophobiker. Menschen mit Doppelkinn? Der absolute Schreck. Während Studien ergaben, dass Frauen Männer attraktiver finden, je kantiger ihr Kinn ist, tendieren weibliche Geniophobiker eher ins Gegenteil. Oder verlieben sich in Männer mit Vollbart.

Aulophobie: Angst vor Flöten
7 von 10

Ein harmloses Instrument, dennoch jagt es einigen Menschen Angst und Schrecken ein: die Flöte. Aulophobiker wollen keine Flöte sehen und reagieren mit Angstschweiss auf den ersten Ton. Der Höhepunkt wäre wahrscheinlich erreicht, wenn sie es nicht nur sehen und hören, sondern auch noch berühren müssten. Sicher erinnert sich der eine oder andere auch mit Panik an den früheren Flötenunterricht.

Etwas vorsichtiger ist Peter Siegmann. Seine Firma züchtet Garra Rufas, bietet Seminare zu artgerechter Haltung und baut Einrichtungen für Fisch-Spas. „Wie viele Spas es gibt, kann ich nicht sagen“, sagt der Berliner. Ein rasantes Wachstum sieht er ebensowenig wie einen Rückgang des Interesses. „Es wird sich entwickeln.“ Er habe bisher eine fünfstellige Zahl an Fischen verkauft, wie viele genau, will er nicht verraten.

Inez Paulweber hat ihre „Garra Rufa Lounge“ in Kiel 2011 eröffnet. Sie beschreibt den Einsatz der Roten Saugbarben als eine Art Wellness und ökologische Fußpflege - die überwiegend von Frauen nachgefragt werde. In sechs Becken schwimmen zwischen 50 bis 60 Garra Rufas mittlerer Größe. Ausgestattet sind die Glasbassins mit Filtern und Verstecken. Auf dem Boden liegt feiner Kies. „Die Fische leben darin“, sagt Paulweber. Ein Umsetzen von Haltungs- in Anwendungsbecken sei für die Tiere zu stressig.

Die größeren Tiere - Garra Rufas können bis zu 14 Zentimeter groß werden - bringt Paulweber zu sich nach Hause. „Da habe ich mein Altersheim“, sagt sie. Die Senioren sind aber noch ganz rüstig: Mit ihnen züchtet die 52-Jährige Nachwuchs für ihre Lounge. Manchmal laichen die Fische aber auch bereits dort ab. Für Paulweber ein Zeichen dafür, dass es ihnen gut gehen muss. Sonst würden die Tiere ja keine Eier legen, meint sie.

Tierschützern ist der Einsatz der Fische zu kosmetischen Zwecken ein Dorn im Auge: Es sei Tierquälerei und bedeute für die Tiere Stress. Dieser Auffassung haben sich viele Kommunen und ihre Amtstierärzte angeschlossen. Immer wieder gibt es Streit zwischen Städten und Betreibern von Fischsalons. Oft wurde bereits mit Verweis auf den Tierschutz verboten, die Fische gewerblich zu kosmetischen Zwecken zu halten.

Schulmedizin ist skeptisch
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1 Kommentare zu "Fische statt Feile: Wenn Saugbarben als Fußpfleger arbeiten"

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  • Sagenhaft - für alles braucht man hier in Deutschland ne Bescheinigung. nur für´s Kindererziehen, da kann jeder rum murksen wie er will.

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