Flugausfälle und Verspätungen
Warnstreiks lähmen Flugverkehr

Flugzeuge bleiben am Boden und Busse in den Depots. Schon in den frühen Morgenstunden mussten mehr als 240 Flüge an den beiden größten deutschen Flughäfen seit Beginn der Warnstreiks im öffentlichen Dienst gestrichen werden. Wo Pendler und Reisende mit den größten Verzögerungen rechnen müssen.

HB HAMBURG. Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben am Mittwoch den Flugverkehr in Deutschland zum Teil lahmgelegt. Ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport gag bekannt, dass in den ersten drei Stunden des seit 5.30 Uhr laufenden Streiks insgesamt 80 Flüge annulliert wurden. „Das kann durchaus noch mehr werden.“ Zudem habe es zahlreiche Verspätungen gegeben, auch weil Flugzeuge von anderen deutschen Flughäfen nicht planmäßig landen konnten. Rund 1500 Maschinen starten und landen pro Tag am größten deutschen Flughafen. Rund 500 Beschäftigte hatten sich an an der Kundgebung in Frankfurt beteiligt. Es sei damit zu rechnen, dass die Mitarbeiter im Lauf des Vormittags wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, sagte der Fraport-Sprecher. Normalität werde aber erst wieder am Donnerstag einkehren.

Auch auf dem Münchner Flughafen mussten zahlreiche Flüge gecancelt werden. Von 462 geplanten Starts und Landungen in der Zeit zwischen 5.00 Uhr und 12.00 Uhr seien 100 abgesagt, teilte Flughafensprecher Peter Prümm mit. Es handele sich hauptsächlich um innerdeutsche Lufthansa-Verbindungen. Die Passagiere hätten sich aber auf den Ausstand eingestellt. Es gebe keine großen Warteschlangen, mehrere extra eingerichtete Sonderschalter blieben praktisch ungenutzt. Die Reisenden hätten auf andere Zeiten umgebucht oder seien auf andere Verkehrsmittel umgestiegen, sagte der Sprecher.

Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa reagierte frühzeitig und hatte vorsorglich 142 Flüge gestrichen. „Dabei bleibt es vorerst auch. Im Moment läuft es wie geplant“, sagte eine Firmensprecherin.

Auf dem Flughafen Düsseldorf würden seit 04.00 Uhr die Gepäckförderanlagen nicht mehr laufen, sagte der zuständige Verdi-Sprecher Peter Büddicker. Deshalb könne auch nicht eingecheckt werden. Der Warnstreik sollte noch bis 09.00 Uhr fortgesetzt werden. Auch auf dem Flughafen Köln ständen die Gepäckförderanlagen still. Die Warnstreiks auf den Flughäfen seien insgesamt «gut angelaufen«, sagte der Sprecher weiter. Laut Verdi sollen auch die Flughäfen Stuttgart, Münster-Osnabrück, Hamburg, Nürnberg und Saarbrücken von den Ausständen betroffen sein. In Hannover waren auch Besucher der Computermesse CeBIT von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Hier legten rund 200 Beschäftigte um 5.00 Uhr die Arbeit nieder. Nicht bestreikt werden hingegen die Flughäfen Bremen, Leipzig und Dresden, weil sie eigene Haustarifverträge haben

Da von den Warnstreiks vor allem die Flugzeugabfertigung am Boden und die Sicherheitskontrollen betroffen waren, wurden am Vormittag weitere Flugausfälle erwartet. Vor vielen Sicherheitskontrollen bildeten sich lange Schlangen von Passagieren, die auf ihre Flüge warteten.

In Berlin waren bereits um 2.00 Uhr Bus- und Bahnfahrer in Berlin in einen unbefristeten Streik getreten. Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen blieben in der Hauptstadt in den Betriebshöfen, sagte ein Verdi-Sprecher in Berlin. Betroffen sind davon auch Besucher der weltgrößten Reisemesse ITB, die heute in Berlin beginnt. „Wir haben einen Ersatzverkehr eingerichtet, aber es ist wirklich ein Not- Ersatzverkehr. Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Wir hoffen, dass der Streik nicht bis Freitag nächster Woche dauert.“ Die BVG will mit dem Ersatzverkehr Fahrgästen ermöglichen, S-Bahnen zu erreichen, die trotz des Warnstreiks fahren.

In Rheinland-Pfalz traten von etwa 3.00 Uhr an Beschäftigte im Nahverkehr in einen Warnstreik. Nach Angaben von Verdi-Sprecher Jürgen Dehnert kam der öffentliche Nahverkehr in Kaiserslautern und Ludwigshafen nahezu vollständig zum Erliegen. In Trier sei nur die Hälfte der Busse im Einsatz, in Mainz führen etwa 30 Prozent nicht. Dehnert kündigte für den Vormittag erhebliche Behinderungen an, erst am Nachmittag werde sich der Betrieb langsam wieder normalisieren. Auch Beschäftigte von Kliniken und Entsorgerdiensten hätten die Arbeit niedergelegt. Nach Gewerkschaftsangaben wollten sich am Mittwoch insgesamt mehr als 5500 Verdi-Mitglieder an den Warnstreiks in Rheinland-Pfalz beteiligen. Größere Versammlungen und Kundgebungen sind unter anderem in Mainz, Kaiserslautern und Ludwigshafen geplant.

Mit den massiven Warnstreiks an den Flughäfen und im öffentlichen Nahverkehr wollen die Gewerkschaften einen Tag vor dem Beginn der nächsten Verhandlungsrunde in Potsdam den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Verdi und die DBB Tarifunion verlangen für die bundesweit 1,3 Mill. Tarifangestellten des Bundes und der Kommunen acht Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro im Monat. Die Arbeitgeber boten bislang fünf Prozent, allerdings verteilt auf zwei Jahre und bei einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit.

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