Flugbranche
Jetbird wirbt um Geschäftskunden

Mit seiner Fluggesellschaft Jetbird will Dómhnal Slattery den Markt der Geschäftsfliegerei revolutionieren. Künftig sollen individuelle Reisen im Business-Jet nur noch halb so viel Kosten. Damit das gelingt, hat der irische Multimillionär 100 Superleichtflugzeuge beim brasilianischen Hersteller Embraer geordert.

DUBLIN / DÜSSELDORF. Ab 2009 soll Jetbird einen europaweiten Service anbieten. Branchenexperten zufolge könnte der Markt für individuelle Geschäftsreisen durch Jetbird einen ähnlichen Auftrieb gewinnen wie einst der Massenmarkt durch den irischen Billigflieger Ryanair.

„Unsere größte Sorge ist, dass wir die Nachfrage nicht befriedigen können“, sagte Slattery im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der europäische Markt sei im Vergleich zum amerikanischen unterentwickelt. In den USA nutzten Geschäftsleute und vermögende Privatleute fünfmal so oft Privatjets wie in Europa. Die verschärften Sicherheitskontrollen, die Überlastung großer Flughäfen wie London-Heathrow und der dadurch immer höhere Zeitaufwand für Flugreisen spiele Jetbird ebenso in die Hände wie der wachsende Wunsch nach Sicherheit und Privatsphäre.

Nach Angaben von Eurocontrol, der europäischen Organisation für Flugsicherung, wächst das Segment seit dem Krisenjahr 2001 rund doppelt so schnell wie der übrige Luftverkehr. Die neue Generation an Superleichtflugzeugen, könnte der Branche einen zusätzlichen Schub geben. Eurocontrol rechnet mit 1 000 neuen Registrierungen auf insgesamt 3 000 Maschinen in den nächsten zehn Jahren. „Die Very Light Jets haben das Potenzial den Markt der Geschäftsluftfahrt ähnlich zu stimulieren wie einst die Billigflieger den Massenmarkt“, sagt Robert Krüger, Berater des European Center for Aviation Development (ECAD) in Darmstadt. Jetbird sei aber nur Vorreiter in Europa. Vorbild sei Dayjet aus den USA.

Der Markt der Geschäftsluftfahrt ist stark fragmentiert. Marktstudien zufolge haben von 700 Anbietern nur 26 mehr als zehn Flugzeuge. Zu diesen zählen die an der Londoner Börse notierte Air Partner, die 2006 einen Umsatz von 140 Mill. Pfund (210 Mill. Euro) und einen Gewinn von fünf Mill. Pfund erreicht hat. Mit dem Geschäftsmodell, Anteile an einem Business-Jet zu erwerben, wächst die Firma des US-Milliardärs Warren Buffet Netjets auch in Europa kräftig. Netjets Europe absolvierte im vergangenen Jahr mit 62 000 Flügen rund 30 Prozent mehr Starts und Landungen als im Vorjahr und erzielte erstmals einen Nettogewinn.

Jetbird werde Netjets nicht angreifen, sondern ergänzen, erläutert Slattery. Der US-Konzern habe rund 120 Flugzeuge zehn verschiedener Modelle. Jetbird hingegen werde einen einzigen, besonders effizienten Jet fliegen, für den er pro Stück keine drei Mill. Dollar bezahle. Das senkt die Kosten für die Anschaffung, die Ausbildung der Piloten und die Wartung. Auch sonst will Slattery, der seine Karriere bei einer Firma des Ryanair-Gründers Tony Ryan begann, die Erfolgsfaktoren der Billigflieger kopieren. Kurze Umschlagzeiten, ein einfaches Preismodell, die Bevorzugung kleiner Flughäfen und der Verzicht auf Catering gehören dazu.

Die Finanzierung bis zum Jahr 2012 stellt Slattery mit seiner Investmentfirma Claret Capital selber sicher. Sie hält 80 Prozent an Jetbird, der Rest liegt beim Management. Jetbird-Chairman Slattery hat beim Verkauf einer selbst aufgebauten Flugzeugleasingfirma ein Vermögen gemacht. Als Geschäftsführer fungieren sein ehemaliger Claret-Capital-Kollege Paul Geaney und der erfahrene Luftfahrtmanager Hans Jörg Hunziker.

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