Flughafenausbau
Nichts geht mehr in Heathrow

Der Londoner Flughafen Heathrow ist heillos überlastet. Nun soll er endlich ausgebaut werden. Doch trotz langer Warteschlangen und voller Landebahnen sind außer den Lobbyisten der Finanzwelt und den City-Unternehmen die meisten Londoner gegen den Ausbau. Seit Donnerstag läuft der Kampf um Heathrow.

LONDON. Einmütig saßen die beiden größten Widersacher in der britischen Luftfahrtindustrie an der Bar im BBC Frühstücksfernsehen. „Wir halten nicht Schritt mit Frankfurt und Paris. Flugverbindungen sind entscheidend für Londons Dominanz als Finanzkapitale“, sagte Virgin Atlantic CEO Steve Ridgeway. „Natürlich muss man den Umweltschutz beachten. Denken sie an die tagtägliche Verschmutzung durch die Flugzeuge in der Warteschleife über London“, argumentierte British-Airways-Chef Willie Walsh.

So begann am Donnerstag der Kampf um Heathrow, noch bevor Verkehrsministerin Ruth Kelly den Startschuss für die Konsultation über die Erweiterung von Europas berüchtigstem Flughafen gab. Nach jahrelangem Grübeln hat Labour den Versuch aufgegeben, eine Alternative zur im Weichgebiet von Westlondon zwischen Parks und Suburbs eingepferchten Flugdrehscheibe Heathrow zu finden. Bis 2020 soll „LHR“ eine dritte Start- und Landebahn und einen sechsten Terminal bekommen. Vor allem die Londoner City drängt auf die Erweiterung, die Raum für täglich 500 zusätzliche Flüge schaffen würde. „Natürlich nur“, versichert Kelly, „wenn die totale Fläche innerhalb der 57db Contour nicht verändert wird“.

Ohne Expansion werde Heathrow seinen „Status als Weltklasse Flughafen“ langsam aber sicher verlieren, so die Ministerin. 170 000 Jobs, eine Wirtschaftsleistung von neun Mrd. Pfund jährlich hingen von der überfälligen Expansion ab. Ihr Ministerium untermauerte den Plan mit einem Dossier der Schande: Sorgfältig werden darin die Verspätungen, Warteschlangen und Unbequemlichkeiten bei den vier Londoner Flughäfen auflistet.

Für die 70 Millionen Passagiere, die LHR jährlich nutzen, ist dies nichts Neues. Laut Flughafenbetreiber BAA operiert der Flughafen seit 17 Jahren jenseits der Kapazitätsgrenze – es fehlt täglicher Platz für 60 000 Passagiere. Seit 2002 haben die Verspätungen um 15 Prozent zugenommen. Die Flug-Consulting-Firma Ascend wertet Heathrow als den „schlechtesten Großflughafen der Welt“. Im Sommer stand Heathrow mit 39 Prozent verspäteter Flüge wieder am Schluss in Europa – nur noch im Nachbarflughafen Gatwick war es schlimmer.

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