Flugsicherheit
Schäuble will Flaschen und Dosen verbannen

Schwere Koffer, die den Gang versperren, klobige Taschen, die unter den Sitzen hervorquellen - das soll es im Flugzeug jetzt nicht mehr geben. Nach dem Terroralarm in Großbritannien bitten die Fluggesellschaften darum, Handgepäck möglichst klein zu halten, um die Kontrollen zu beschleunigen. Bei Flügen in die USA sind Flüssigkeiten im Handgepäck ab sofort verboten. Und in Zukunft soll bei Flugreisen in Deutschland die Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck grundsätzlich untersagt sein. Nach Ansicht von Experten lassen sich diese Bestimmungen langfristig aber nicht durchhalten.

HB BERLIN. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Freitagabend auf die Frage nach einem Verbot von Flüssigkeiten im ZDF: „Ja, das wird jetzt eben die Konsequenz sein.“ Bisher habe man diese Art von Gefahr nicht so hoch bewertet. „Jetzt müssen wir nach den Erfahrungen der Briten gerade bei Flüssigkeiten besonders vorsichtig sein.“ Dort haben die Behörden bekanntlich sogar angeordnet, dass Passagiere derzeit bei Starts in Großbritannien nur noch Plastikbeutel mit dem Nötigsten bei sich tragendürfen: Geldbörse, Brille, Reisedokumente und wichtige Medikamente.

Schäuble sagte, man versuche, innerhalb Europas eine einheitliche Regelung zu finden, „weil es ja keinen Sinn macht, wenn wir beim einen Flughafen die Vorschrift haben und bei der anderen Linie diese. Das muss man ein Stück weit vereinheitlichen. Daran arbeiten wir gerade.“

Der Innenminister betonte erneut die Gefahr terroristischer Anschläge auch in Europa. „Jetzt zeigt sich eben erneut, dass das nicht irgendwelche Hirngespinste sind, sondern dass es eine reale Bedrohung ist, die wir gar nicht ernst genug nehmen können.“ Bislang gebe es jedoch keinen konkreten Anzeichen für Verbindungen nach Deutschland. Die Prüfungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

„Die Fluggäste müssen sich daran auf keinen Fall gewöhnen“, meint Matthias Gründer, Luftfahrtexperte bei der in Stuttgart erscheinenden Fachzeitschrift „Flugrevue“. „Das ist Aktionismus“, lautet sein Urteil. Die derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen seien dazu gedacht, den Fluggästen das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln - langfristig durchhalten ließen sie sich nicht.

Zum einen seien viele Geschäftsleute darauf angewiesen, Laptop und andere technische Geräte mit sich zu führen. Da aufgegebene Koffer sehr unsanft befördert würden, könnten diese nicht im normalen Gepäck verstaut werden, sagt Gründer. „Die Leute können so ihrer Arbeit nicht nachgehen.“ Doch auch die Duty-Free-Geschäfte litten unter den Regelungen. Weder Parfüm noch Whisky darf mitgeführt werden. „Das ist nicht durchsetzbar.“

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