Flugverkehr
Air-France-Absturz: 26 Deutsche an Bord

Eine Air-France-Maschine mit 228 Insassen an Bord ist auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris verschwunden und vermutlich abgestürzt. Nach Angaben der Fluggesellschaft waren 26 Deutsche an Bord, darunter höchstwahrscheinlich ein ranghoher Manager von Thyssen-Krupp. Während Air France die These eines Blitzschlages bevorzugte, schlossen Experten auch einen Terroranschlag nicht aus.

HB PARIS. Ein französisches Verkehrsflugzeug mit 228 Menschen an Bord ist am Montag in schwerem Tropengewitter über dem Atlantik auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Opfer der größten zivilen Luftfahrtkatastrophe seit 2001 stammen aus 33 Ländern. Darunter sind 61 Franzosen, 58 Brasilianer und 26 Deutsche, wie die Fluggesellschaft Air France am Abend mitteilte. Nach Informationen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wollten elf Passagiere weiter nach Stuttgart reisen. „Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe“, sagte Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit befand sich auch ein ranghoher Manager des deutschen Thyssen-Krupp-Konzerns in der Unglücksmaschine. Es handelt sich um das Vorstandsmitglied der Thyssen Steel AG, Erich W. Heine. Der 41-jährige Aufsichtsrats-Vorsitzende des Thyssen-Krupp-Joint-Ventures Companhia Siderúrgica do Atlântico (CSA) war nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Agencia Brasil alleine unterwegs und wollte von Paris weiter nach Deutschland fliegen. „Herr Heine war auf den Flug gebucht. Das ist furchtbar. Aber es gibt noch keine endgültige Bestätigung“, sagte ein Konzernsprecher der dpa am Montag in Brasilien.

Die Airbus A330-200 der Air France hatte auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris automatisch Stromausfall gemeldet. „Am wahrscheinlichsten ist ein Blitzeinschlag“, sagte Air-France-Sprecher François Brousse. Präsident Nicolas Sarkozy erklärte am Abend jedoch: „Wir haben kein präzises Anzeichen dafür, was passiert ist. Wir können keine These vorziehen und keine ausschließen.“ Auch einen Bombenanschlag schlossen Experten nicht völlig aus.

„Die Chancen, Überlebende zu finden, sind minimal“, sagte Sarkozy nach einem Gespräch mit Angehörigen der Passagiere auf dem Pariser Flughafen. Er bat neben Spanien und Brasilien die USA um Hilfe. Die Amerikaner könnten „mit Hilfe der Satelliten helfen, zuerst den Ort zu finden, wo sich die Katastrophe ereignet hat“. Das Gebiet sei riesig und es sei mitten in der Nacht geschehen. „Wir verstehen nicht, was passiert ist“, gestand Verkehrs-Staatssekretär Dominique Bussereau. „Die Hypothese einer Entführung scheint ausgeschlossen, denn die Maschine hätte irgendwo landen müssen.“

Unter den Fluggästen waren sieben Kinder und ein Baby. Der Nachrichtensender i-télé berichtete, auch der Südamerika-Chef des Reifenherstellers Michelin und Angehörige der früheren brasilianischen Monarchenfamilie seien ums Leben gekommen.

Der Airbus war planmäßig um Mitternacht in Rio gestartet. Um 03.30 Uhr gab es den letzten Kontakt mit der brasilianischen Flugkontrolle. Da war das Flugzeug schon 560 Kilometer von der Küste entfernt und flog in 11 000 Metern Höhe. Gegen 04.00 Uhr raste die Maschine auf eine schwere Gewitterfront zu. Eine Viertelstunde später signalisierte sie automatisch den Teilausfall von Funktionen. Air France alarmierte die brasilianischen und afrikanischen Luftfahrtämter. Das Absturzgebiet könnte also 1200 Kilometer von Südamerika entfernt liegen - wenn die Piloten Kurs gehalten haben.

„Die erste Frage ist, wo sind sie?“, sagte der Sprecher des französischen Generalstabs, Christophe Prazuck, im Fernsehen. Danach schaue man, ob es Überlebende gebe oder ob man Trümmer bergen könne. Einen Bombenanschlag schloss Prazuck nicht völlig aus. „Ich habe aber keinerlei Informationen in diese Richtung.“

Der mögliche Absturzort der verschwundenen Maschine befindet sich vermutlich auf halbem Weg zwischen der brasilianischen und der afrikanischen Küste. Die Zone, in der das Flugzeug verschwunden sei, sei dort bis auf wenige Dutzend Seemeilen lokalisiert, sagte Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon. Um welches Land es sich an der afrikanischen Küste handelte, war nicht bekannt. Rio liegt auf demselben Breitengrad wie Namibia, die Maschine flog aber Richtung Paris nach Norden.

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