Frankfurt-Köln
Bahn muss ICE-Paradestrecke angeblich erneuern

Sie gehört zu den Paradestrecken und Umsatzgaranten der Bahn AG - und ist nach Informationen von Bahnkennern bereits ein Sanierungsfall: Auf der Hochgeschwindigkeitstrasse von Frankfurt nach Köln müssen angeblich auf nahezu der gesamten Länge von 180 Kilometern die Schienen ausgetauscht werden.

HB FRANKFURT. Wie die Nachrichtenagentur ddp berichtet, schätzen Experten die Kosten dafür auf 60 bis 80 Millionen Euro. Der Austausch der Schienen werde voraussichtlich zwei Jahre dauern. Der Grund dafür ist nach Angaben von Bahninsidern die enorme Belastung der Schienen, die sich aus dem hohen Tempo der Züge, der Geländetopografie und der modernen Zugtechnik ergibt. Die Strecke ist erst seit 202 in Betrieb; es ist die erste in Deutschland, die von Zügen planmäßig mit 300 km/h befahren wird.

Die Bahn teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur lediglich mit, es gebe bisher keine Planungen für einen Austausch von Schienen. Den besonderen Anforderungen „an diese hoch beanspruchte Strecke“ werde durch ein „intensives Präventionsprogramm“ mit regelmäßigen Schleifarbeiten Rechnung getragen. Der Verlauf einer Trasse beeinflusse die Abnutzung einer Schiene nicht.

Schienenspezialisten innerhalb und außerhalb des Bahnkonzerns, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Bahn AG nicht genannt werden möchten, bezeichneten diese Aussage als „nicht nachvollziehbar“. Die Anzahl von Kurven, Steigungen und Gefällen sowie die Geschwindigkeit seien für den Verschleiß der Stahlschienen von entscheidender Bedeutung. Genau diese Faktoren prägen die zweigleisige Strecke Köln-Frankfurt: Sie ist für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt, sie ist kurvenreich, und sie ist geprägt von teilweise ungewöhnlich starken Steigungen und Gefällen.

Feine Risse an den Schienenoberflächen, sogenannte Headchecks, bereiten Bahnunternehmen in Europa seit Jahren Kopfzerbrechen. Das Phänomen tritt zunehmend auf und hängt nach Angaben von Experten unter anderem mit der modernen Antriebstechnik neuerer Züge zusammen. Früher musste oft eine Lok den gesamten Zug in Bewegung setzen. Dabei drehten die Räder leicht durch, ein Teil der Antriebskraft ging verloren. Heute dagegen sorgen Anti-Schlupfregelungen dafür, dass die Antriebskraft voll auf die Schiene übertragen wird.

Das Material wird viel stärker belastet. Außerdem verfügen bei modernen Triebzügen nicht nur die Loks über einen Antrieb, sondern auch etliche der Waggonachsen. Dadurch wird die Kraftübertragung auf die Schiene und damit deren Belastung ebenfalls erhöht.

Dieses Problem wird nach Angaben von Bahninsidern durch das besondere Zusammenspiel von Geschwindigkeit und Topographie auf der Strecke Köln-Frankfurt massiv verschärft. Dort würden Headchecks so stark auftreten, dass die Schienen drei- bis viermal häufiger geschliffen werden müssen als ursprünglich angenommen. Dabei werde jeweils etwa ein Millimeter Stahl abgetragen. „Diese Belastungen und Auswirkungen waren so nicht kalkuliert. Da entwickelt sich offenbar eine Dynamik, der das Material nicht lange genug standhalten kann“, konstatiert ein Bahnfachmann.

Die Folgen sind nach übereinstimmender Aussage mehrerer Experten der Bahn dramatisch: Statt nach erwarteten etwa 12 bis 15 Jahren müssten die Schienen auf nahezu der gesamten Strecke bereits nach sechs oder sieben Jahren ausgetauscht werden. Der Austausch eines Meters Schiene kostet etwa 90 Euro. Insgesamt liegen auf der Strecke rund 700 000 Meter Schienen.

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