Galicien
Im Meer mit Muschlerinnen

Vor der Küste Galiciens lassen sich die „Bauern des Meeres“ bei der Ernte von Venus- und Miesmuscheln begleiten. Danach können die Urlauber ihren Fang verspeisen - aber natürlich er, nachdem er professionell zubereitet wurde.

DÜSSELDORF. Im flachen Wasser am Strand von Carril arbeiten die „Marisceras“, die „Muschlerinnen“, wie sie hier genannt werden. Gruppen von Frauen stehen, leicht gebückt, zu Dutzenden im hüfthohen Wasser. In Gummianzügen, die bis zum Hals reichen, graben sie mit langstieligen Drahtgabeln den Sand um und filtern den feinen Sand heraus.

In Galicien werden die Marisceras und Marisceros auch „Bauern des Meeres“ genannt. Denn besonders wenn Ebbe herrscht, ist gut zu sehen, dass die Marisceros ähnlich wie Bauern arbeiten: Auf dem feinsandigen Meeresboden sind Parzellen angelegt, die mit kleinen Steinmauern abgegrenzt sind. Sie gehören – wie ein Stück Feld auf dem Festland – einzelnen Familien, die dort Venusmuscheln oder Herzmuscheln kultivieren.

Anders ist es bei den Mejillones, den Miesmuscheln. Sie werden auf Hunderten von Flößen, die im Meeresboden verankert sind, kultiviert. Ricardo Dios Iglesias, 62, ist einer der angestammten Fischer aus dem Hafenstädtchen O Grove. Seine Familie besitzt drei „Bateas“, wie die Flöße auf Spanisch heißen. Dutzende dicker Seile, jedes genau 12 Meter lang, hängen an ihnen herunter und bieten den Miesmuscheln Platz zum „ankern“.

Die Küste Galiciens mit einer Länge von über 1200 Kilometern ist das größte Miesmuschelanbaugebiet Europas. 250 000 Tonnen dieser Delikatesse werden hier jährlich produziert. Deshalb hat jeder Muschelfischer auf seinem Schiff auch gleich eine Verarbeitungsanlage. Ein kleiner Kran greift das bemuschelte Seil und zieht es durch einen Kamm, der alle Miesmuscheln abzieht. Dann werden die Muscheln noch maschinell von Algen und Seetang gereinigt und in Säcke aus Plastik verpackt.

Die Rías, die fjordähnlichen Flussmündungen an der Westküste Galiciens, sind Europas größte Fischfanggebiete. Im Herbst und im Winter ist diese Gegend in eine dicke Nebelschicht gehüllt, oft ergänzt durch feinen Regen.

Das Wetter. Vielleicht ist es sogar der größte Unterschied zum restlichen Spanien. Beleg: Die bemoosten Wände der alten Kirchen und die Hauswände zur Seeseite, die mit Wellblech verkleidet sind. Im Winter hat La Coruña, die große Hafenstadt, 12 bis 13 Regentage pro Monat, im Sommer sind es immerhin 7 bis 8. Der Regen, immerhin, taucht die Landschaft in die unzähligen Grünschattierungen der saftigen Wiesen und silbrig-grünen Eukalyptuswälder. Die kleinen Hafendörfer mit ihren geduckten Häuschen aus groben Feldquadern erinnern, wie so vieles in diesem Landstrich, an Schottland. Die Nähe zu Portugal zeigt sich an der Sprache - neben Spanisch ist Galicisch die zweite Landessprache.

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