Glasgow
Der schottische Patient

Die Industriestadt Glasgow ist selbstbewusster geworden, auch wenn ihre Narben noch längst nicht verheilt sind. Doch der Nationalstolz des schottischen Volkes ist gewachsen. Dies macht den Engländern zum 300. Jahrestag der Union zu schaffen.

GLASGOW. Ankunft in „The best small country in the world“. Der Slogan am Glasgower Flughafen, merkwürdigerweise nur in der Halle für die Inlandsankunft zu lesen, strotzt nur so vor schottischem Selbstbewusstsein. Glasgow ist wieder da, auch wenn die Narben der Industriestadt noch längst nicht verheilt sind.

Schönheit und Schande lassen sich vom Grabhügel Necropolis, einem der großartigsten Plätze der Stadt, gut betrachten. Im Osten zerschneidet seit den 60er-Jahren die grässliche Autobahn M8 den Stadtkern. In der anderen Richtung dagegen: pures schottisches Idyll. Dudelsackklänge wehen hoch vom Platz der Kathedrale mit dem Grab des Stadtheiligen Mungo.

Necropolis ist der Ort, an dem die Merchants und die anderen Granden der Stadt begraben sind, die sich dort nach ihrem Tod steinerne Monumente ihrer Macht schaffen ließen. Mittelpunkt des Handels war die Merchant City. Seit ein paar Jahren werden deren monumentale Gebäude aufwendig saniert, und neben Büros ziehen Restaurants und Designerboutiquen in die Ladenpassagen ein.

 Neu: Testen Sie Ihr Business-English!

Alles ist noch ein wenig neu und unbelebt, und so ist hier am Wochenende ohne Reservierung im Restaurant mit dem seltsamen deutschen Namen „Das Schottische“ noch ein Tisch zu bekommen und ein wunderbar zartes Stück Deer aus den schottischen Wäldern.

Spätestens jetzt ist auch Paul Bishop wieder ein wenig mit Glasgow versöhnt. Er zeigt die Stadt aus der Perspektive eines „Sassenach“, wie in Schottland die Engländer genannt werden. Angesichts der schottischen Übermacht fühlt sich der englische Zugereiste, der als Professor für Germanistik an der über 500 Jahre alten Glasgower Universität lehrt, oft ein wenig unbehaglich. An manchen Tagen, etwa wenn im Stadion die Rangers oder Celtic kicken, meidet er sogar die von Fans durchzogene Stadtmitte. Aber auch zur poetischen Burns-Nacht im Januar, wenn die Schotten wein- und bierselig ihren Nationaldichter Robert Burns feiern.

Seite 1:

Der schottische Patient

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%