Grenada
Das renovierte Paradies

Grenada wurde zweimal von verheerenden Hurricans verwüstet. Drei Jahre danach sind die Sturmschäden weitgehend behoben. Die Muskatnussinsel bezaubert mit feinen Sandstränden, verschwiegenen Buchten und paradiesischen Wäldern.

DÜSSELDORF. Cambouley von Papa Lindy heißt der diesjährige Gassenhauer, und das hat etwas damit zu tun, dass die Welt wirklich klein ist. Dies wird dem Besucher in Grenada sofort klar, wenn Touristenführer Roger Augustin das Autoradio auf City Sound FM 97,5 einstellt. Schon wenige Minuten später ertönt die Stimme von Papa Lindy, und Roger lacht. „Ich bin mit dem Radiodiscjockey zur Schule gegangen“, sagt er, dreht auf und schlägt den Takt auf dem Steuerrad mit.

Eng windet sich die Straße zwischen der Hauptstadt St. George und Gouyave, dem Fischerdorf an der Nordwestküste. Einige Häuser und Kneipen, die hier Rumshops genannt werden, sind in den Farben des Landes gestrichen, in Gelb, Grün und Rot. Vor den Hütten und Häusern sitzen Männer und Frauen, die herüberwinken und Roger mehr als einmal zum Halten bringen, auf ein kurzes Schwätzchen. Der Kleinwagen dahinter wartet geduldig. Hier gehen die Uhren anders.

Freundlich grüßen auch die Menschen beim Aufstieg über die holprigen Stufen hinauf zum Fort George, das die Stadt überragt und einen berauschenden Blick auf die beiden durch die Felsnase geteilten Viertel der Hauptstadt von Grenada bietet. „Wie gefällt Ihnen unser Land?“ fragt eine hoch gewachsene Frau unter aufgespanntem Regenschirm, mit dem sie sich vor der Mittagssonne schützt.

Vor fast 25 Jahren hieß die Festungsanlage mit ihren alten Kanonen, die aufs Meer hinausweisen, vorübergehend Fort Roger, benannt nach dem Vater des damaligen linken Präsidenten Maurice Bischof – und schrieb moderne politische Geschichte. Am 19. Oktober 1983 wurde Bischof an einer Innenmauer des Forts, in dem heute das Polizeihauptquartier untergebracht ist, von einigen seiner Politbüromitglieder ermordet. Die anschließenden Unruhen boten den USA Anlass, dem misstrauisch beäugten „Kleinkuba“ mit einer Interventionstruppe auf der Muskatnussinsel ein Ende zu bereiten, die Christoph Kolumbus 1498 als erster Europäer betreten hatte.

Die US-GIs sind längst abgezogen; das Schicksal des Sozialisten Maurice Bischof bewegt nur die Gemüter der älteren Grenadians. Die US-Hilfe, die seitdem ins Land geflossen ist, hat einen bescheidenen Wohlstand geschaffen, das Land hat sich auf Nischentourismus spezialisiert und seinen Hafen für Kreuzfahrtschiffe ausgebaut.

Segler und Naturfreunde kommen auf der 35 Kilometer langen und knapp 20 Kilometer breiten Insel auf ihre Kosten. Schmale Pfade durch den intakten Regenwald im Landesinnern laden zu stundenlangen Wanderungen ein. In den kleinen, schärenähnlichen Buchten ankern Segelboote aus allen Ländern Europas, die den Atlantik gekreuzt haben.

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