Großbritannien Brexit lässt Briten beim Wein sparen

Wein und Champagner gehören in Großbritannien einfach dazu – gerade zur Weihnachtszeit. Die edlen Tropfen müssen aber fast alle importiert werden. Und das könnte für Händler und Produzenten bald komplizierter werden.
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Winston Churchill galt als großer Fan der Sorte Pol Roger, die aus dem etwa 30 Kilometer nördlich von Villevenard gelegenen Épernay stammt. Quelle: AP
Champagne

Winston Churchill galt als großer Fan der Sorte Pol Roger, die aus dem etwa 30 Kilometer nördlich von Villevenard gelegenen Épernay stammt.

(Foto: AP)

VillevenardFrédéric Berthelot besitzt acht Hektar Land im französischen Weinbaugebiet Champagne. Seine Reben am Rande des Dorfes Villevenard schützt er mit Rosen. Die dornigen Gewächse dienen als Frühwarnsystem - durch sie kann er rechtzeitig auf Parasiten reagieren. Doch die eigentliche Gefahr für den Winzer sind nicht kleine Insekten. Was wirklich seine wirtschaftliche Existenz bedroht, ist der Brexit.

Solange in Brüssel noch verhandelt wird, muss sich Berthelot auf alles gefasst machen. „Wir befinden uns in einer Phase der Veränderung, der Unsicherheit“, sagt er. „Es gibt durchaus Grund zur Sorge.“ Der Betrieb des Winzers ist mehr als hundert Jahre alt. Ausgerechnet im vergangenen Jahr entschied er sich, nach Großbritannien zu exportieren. Als die Briten dann für den Austritt aus der EU stimmten, verlor das Pfund an Wert. Importgüter wurden auf der Insel plötzlich teurer.

Auch wenn bei den Brexit-Verhandlungen in der vergangenen Woche ein erster Erfolg vermeldet wurde - Berthelot und sein britischer Handelspartner müssen womöglich noch ein komplettes weiteres Jahr warten, bevor sie vernünftig planen können. Experten gehen davon aus, dass diese Ungewissheit ihren Preis haben wird. Anfang 2017 hatte Großbritannien noch das stärkste Wirtschaftswachstum der G7-Nationen. Inzwischen ist London auf den letzten Platz abgerutscht.

Das sind die besten Köche Deutschlands
Spitzenköche unter sich
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Michael Ellis (schwarzer Anzug), internationaler Direktor des Guide Michelin, bescheinigt der deutschen Restaurantszene „große Dynamik“ und lobt: „Deutschland ist im internationalen Vergleich zu einem Top-Standort für hochklassige Küche geworden.“ Die Michelin-Ausgabe verzeichnet nun 300 deutsche Sterne-Restaurants, acht mehr als im Vorjahr.

Jan Hartwig
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Jan Hartwig ist der Aufsteiger unter den Spitzenköchen: Den 35-jährigen Küchenchef des „Atelier“ im Münchner Hotel „Bayerischer Hof“ hatte bereits das Fachmagazin „Der Feinschmecker“ als „Koch des Jahres“ ausgezeichnet sowie der Gastro-Guide „Gault & Millau“ als „Aufsteiger des Jahres“ in Bayern gekürt. Nun kann sich unter seiner Leitung das „Atelier“ mit einem dritten Michelin-Stern schmücken. Damit führt der „Guide Michelin“ in Deutschland 2018 elf Häuser in dieser höchsten Kategorie.

Claus-Peter Lumpp
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Claus-Peter Lumpp zählt mit seinen Künsten in der Küche des Hotels „Bareiss“ im baden-württembergischen Baiersbronn schon seit vielen Jahren in allen Gourmet-Führern zu den Spitzenreitern. Auch 2018 behält das Restaurant drei Michelin-Sterne. Damit ist er aber in Baiersbronn nicht allein...

Torsten Michel
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... In der knapp 15.000 Einwohner zählenden Gemeinde im Nordschwarzwald findet sich auch das ebenfalls mit drei Sternen bedachte Restaurant „Schwarzwaldstube“ des „Hotel Traube Tonbach“, das seit 1992 unter Spitzenkoch Harald Wohlfahrt bereits 25 Mal in Folge mit drei Sternen ausgezeichnet wurde. Wohfahrts Nachfolger Torsten Michel, der 2016 vom Sous- zum Küchenchef aufstieg, gelang es, die drei Sterne zu halten. „Die Qualität und das Niveau sind unverändert sehr hoch“, lautete das Urteil der Michelin-Experten.

Helmut Thieltges
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Eine ungeplante Übergabe der Küchenleitung gab es hingegen im Restaurant „Sonnora“ des gleichnamigen Waldhotels im rheinland-pfälzischen Dreis. Dort war im Juli 2017 überraschend Drei-Sterne-Koch Helmut Thieltges, der den Familienbetrieb mit seiner Frau Ulrike geleitet hatte, gestorben. Dessen Souschef Clemens Rambichler stieg zum Küchenchef auf, und weil unter ihm nach Überzeugung der „Michelin“-Inspektoren weiterhin exzellent gekocht wird, behält das Haus seine drei Sterne.

Joachim Wissler
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Das einzige mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen bleibt das „Vendôme“ in Bergisch Gladbach. Hier kocht seit dem Jahr 2000 Joachim Wissler. Unter Leitung des heute 54-Jährigen erhielt das „Vendôme“ 2001 den ersten Stern und wird seit 2006 mit drei Sternen bewertet.

Drei-Sterne-Restaurant in NRW
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Unter den elf besten Restaurants bundesweit, die die «Michelin»-Testesser mit der höchsten Auszeichnung von jeweils drei Sternen bedachten, ist aus NRW wie im Vorjahr nur das «Vendome» (Bergisch Gladbach) vertreten, geführt von Starkoch Joachim Wissler.

Viele Unternehmen hielten Investitionen zurück, bis klar sei, wie der Brexit-Deal am Ende aussehen werde, sagt Jeffrey Bergstrand von der University of Notre Dame im US-Staat Indiana. „Das sorgt für Unsicherheit im Hinblick auf die künftige Richtung der wirtschaftlichen Aktivität“, betont der Experte für internationalen Handel. „Wegen der Unsicherheit wird abgewartet. Und das Abwarten hat negative Auswirkungen.“

Laut einer Studie des US-Instituts Rand Corporation wird die britische Wirtschaft im Rahmen aller absehbaren Brexit-Szenarien stark leiden. Sollte es nicht zu einer Einigung mit Brüssel kommen, würden die Handelsbeziehungen zum übrigen Europa nach Regeln der Welthandelsorganisation WTO gestaltet. Dann könnte die Wirtschaftsleistung Großbritanniens der Prognose zufolge bis 2029 etwa fünf Prozent geringer sein als wenn sich das Land für einen Verbleib in der EU entschieden hätte.

Weintrinker wären wohl unter den Ersten, die das zu spüren bekämen. Nicht nur das schwache Pfund vergällt den Genuss. Wegen der höheren Inflation sinke für viele Konsumenten der finanzielle Spielraum, sagt Jonny Forsyth vom Londoner Marktforschungsunternehmen Mintel. Die ständigen Negativmeldungen bezüglich der Brexit-Verhandlungen machten die Menschen zudem vorsichtiger. „Wenn Konsumenten nicht wissen, was kommt, schnallen sie den Gürtel ein kleines bisschen enger. Im kommenden Jahr wird sich das noch deutlicher zeigen“, sagt Forsyth.

Bisher wird weltweit nur in drei Ländern mehr Wein getrunken als in Großbritannien: in den USA, Deutschland und Frankreich. Der Verkauf im Einzelhandel lag 2016 bei fast 1,1 Milliarden Litern. Sollten die Briten auf dieses Luxusgut künftig öfter verzichten, könnte das vor allem kleine Hersteller wie Berthelot treffen.

Auf der anderen Seite hat gerade Champagner auf der Insel eine besondere Tradition. Winston Churchill galt als großer Fan der Sorte Pol Roger, die aus dem etwa 30 Kilometer nördlich von Villevenard gelegenen Épernay stammt. Gerade zum Weihnachtsfest ist ein guter Schaumwein für viele Briten ein Muss. Berthelot, dessen Champagner-Marke Roger Barnier nach seinem Großvater benannt ist, setzt ganz darauf, dass diese Tradition den Brexit überstehen wird.

Der 54-Jährige führt den Familienbetrieb bereits in fünfter Generation. Seine ältesten Rebstöcke stammen aus den Jahren 1910 und 1915 - sie haben beide Weltkriege überlebt und zudem etliche Schädlinge, denen andere Pflanzen in der Region zum Opfer fielen. Zwischen Urkunden und Auszeichnungen hängt an einer Wand in seinem Haus auch eine Dankeskarte aus dem Élysée-Palast. Der wurde sowohl unter Präsident Nicolas Sarkozy als auch unter dessen Nachfolger François Hollande mit Champagner aus Villevenard beliefert.

Berthelot gibt sich zuversichtlich, dass zumindest die Verkäufe in der oberen Preisklasse stabil bleiben werden. „Ich hoffe, dass ich mich da nicht irre“, sagt er und lacht. Für die Vermarktung in Großbritannien sorgt sein neuer Geschäftspartner Richard Ellison. Unmittelbar vor der Brexit-Abstimmung hatte dieser das Unternehmen Wanderlust Wine gegründet. Dessen Spezialität ist es, Sorten von kleinen Weingütern, die im normalen Handel schwer zu bekommen sind, zu importieren und direkt an die Kunden zu liefern.

Die zähen Brexit-Verhandlungen bereiten auch Ellison Sorgen. „Als kleiner Unternehmer kann ich nicht verstehen, warum es so lange dauert, Beschlüsse zu fassen“, sagt er während eines Rundgangs durch die Weinberge von Berthelot. Unabhängig vom Ausgang der Gespräche in Brüssel sei er sich aber sicher, dass die Briten auch nach dem geplanten Brexit weiter Champagner trinken werden. „Champagner ist für uns Briten Teil des Lebenselixiers - und Teil dessen, was uns an Frankreich bindet“, sagt Ellison. „Wir trinken ihn seit Jahrhunderten. Warum sollten wir jetzt damit aufhören?“

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