Handgepäck-Beschränkungen
Flugbranche richtet sich auf schärfere Kontrollen ein

Flugreisende müssen nach dem Terror-Alarm von London dauerhaft mit Restriktionen beim Handgepäck und verschärften Sicherheitskontrollen rechnen. „Ich glaube nicht, dass wir wieder zu den Zeiten des sorglosen Umgangs mit Handgepäck zurückkehren werden“, sagte der britische Airline-Berater David Byron. Auch Branchenexperten jenseits der Insel gehen davon aus, dass die Politik bald handeln und möglicherweise eine neue und EU-weit gültige Verordnung erlassen wird.

FRANKFURT / LONDON. „Die Vorfälle haben erneut gezeigt, dass das Handgepäck eine entscheidende Schwachstelle im Sicherheitssystem ist“, sagte der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Die Innenminister der EU-Staaten, unter ihnen der Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), wollen bereits am heutigen Mittwoch über die Sicherheitslage und die Auswirkungen schärferer Personen- und Gepäckkontrollen diskutieren. Im Vorfeld des Treffens hat Schäuble bereits empfohlen, Flugpassagiere sollten sich künftig generell „mehr Zeit nehmen“. Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen würden nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft notwendig sein. Eine offizielle Bestätigung, dass etwa die Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck dauerhaft verboten werden soll, gibt es bisher indes nicht: Die aktuellen Beschränkungen für die Mitnahme von Handgepäck an Bord von Flugzeugen blieben in Kraft, solange es die Sicherheitslage erfordere, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in London. Auf eine dauerhafte Lösung habe sich das Ministerium nicht festgelegt.

Europas führende Billigfluglinie Ryanair kritisierte die neuen Bestimmungen, die etwa die Größe des zulässigen Handgepäcks streng begrenzen, als „unsinnig“. Die Regierung solle sich lieber darauf konzentrieren, den Flugverkehr wieder störungsfrei ablaufen zu lassen.

Ein Lufthansa-Sprecher sagte, man bedauere die Unannehmlichkeiten für Fluggäste, doch die Sicherheit habe Priorität. Der deutsche Flugkonzern empfiehlt seinen Kunden deshalb, so wenig Handgepäck wie nötig mit an Bord zu nehmen.

Die großen britischen Fluggesellschaften streiten sich mit dem Heathrow-Flughafenbetreiber BAA über die Verantwortung für die anhaltenden Verspätungen und Flugausfälle. British Airways (BA), größter Kunde am Drehkreuz Heathrow, hat dem Unternehmen sogar eine Schadenersatzklage angedroht. „Wir denken ernsthaft darüber nach“, sagte eine Sprecherin. Auch Konkurrent BMI, der nach BA die meisten Flüge aus Heathrow anbietet, schließt einen solchen Schritt nicht mehr aus.

BA sah sich unter anderem genötigt, Gepäck, das Passagiere in Heathrow zurücklassen mussten, mit Lastwagen und eigenen Frachtflugzeugen zu verschiedenen europäischen Zielen zu transportieren. Rund 20 000 Gepäckstücke sind nach Angaben des Konzerns bisher zurückgeblieben, da das Gepäcksystem von BAA nicht mit dem höheren Aufkommen zurechtgekommen sei. Mit mehr als 1 000 Flugausfällen ist British Airways am stärksten vom Flughafen-Chaos der vergangenen Tage betroffen – und jeder weitere Tag mit Störungen bringt neue Millionenbelastungen. Auch für den heutigen Mittwoch rechnet die Fluggesellschaft noch mit Störungen und Ausfällen an den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick.

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