Haute Cuisine
Warum guter Geschmack aus Deutschland im Export floppt

Franzosen, Briten und Amerikaner betreiben Filialen in der ganzen Welt. Nur deutschen Köchen gelingt die Expansion ihrer Marke kaum. Nur ein deutscher Sternekoch wagt sich über die Landesgrenzen.
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Düsseldorf Moskau lief nicht, Mallorca auch nicht, Wiesbaden mal gleich gar nicht. Nun also Bukarest. Juan Amador plagt sich mit Lieferanten, die noch nie frischen Fisch gesehen haben, und Mitarbeitern, die in Rumänien noch nie Kontakt zur feinen Küche hatten. Doch am 12. April vermeldet er 1700 Autokilometer von seiner Heimat Langen bei Frankfurt per Facebook: "We did it." Er hat eine Küche eingerichtet, eine Karte geschrieben, Köche geschult und versucht, den Kopf über Wasser zu halten im Strudel, der entsteht, wenn ein neues Restaurant eröffnet werden soll. Sein Restaurant in Langen gehört zu den neun besten Deutschlands, die jeweils drei Sterne des Michelin haben, und begeistert seine Gäste mit einem Menü, das 209 Euro kostet. Auch Gäste in Bukarest können nun in den Genuss seiner Kunst kommen - im Heritage Restaurant. "So eine Neueröffnung ist wie eine Geburt, es macht Spaß."

Amador könnte auch in Langen am Herd stehen und erfolgreich weiterarbeiten mit Gastauftritten auf Gourmetfestivals und exklusiven Kooperationen. Aber er will expandieren, Unternehmer sein. Seine Idee von Gastronomie verbreiten. Nicht allein mit einem Zweitrestaurant in unmittelbarer Nähe, nein, die Marke Amador soll weltweit strahlen. Inzwischen auch mithilfe der Hotelgruppe Rotana, die einen Vertrag mit Amador über zehn Jahre geschlossen hat. Fünf Restaurants soll er eröffnen unter seinem Namen. Von Singapur bis New York. Er selbst hat dafür eine AG gegründet, sie soll seine Aktivitäten bündeln, Partnerschaften eingehen und das Vehikel sein, das aus dem national tätigen Koch Amador den globalen Unternehmer Amador macht. "Es ist wirtschaftlich nötig, zu expandieren, wenn man als Koch keinen Sponsor oder eine Hotelgruppe im Rücken hat", sagt Amador.

Vorbilder für die Vision, die eigene kulinarische Botschaft in der Welt zu verbreiten, gibt es - aber nicht in Deutschland. Längst gelten in der internationalen Gastronomie diverse Köche als Garanten für hohen Genuss, selbst wenn sie nicht jeden Teller kontrollieren. Das Publikum von San Francisco bis Tokio lässt sich in den Filialen der Küchengötter vertrauensvoll nieder. Besonders gewitzte Köche, wie Jamie Oliver, schaffen es sogar, ein ganzes Universum um ihre eigene Marke herum aufzubauen, in dem Lizenzvereinbarungen, Restaurants und Fernsehproduktionen nebeneinander existieren. Olivers Erfolg steht exemplarisch für Unternehmen jeder Art, denen es darum geht, eine Marke zu bilden, sie zu entwickeln und international aufzustellen, argumentiert Autor Trevor Clawson in seinem Buch "Erfolg nach Rezept".

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