Hitze trifft Briten hart
Grill Britannia statt Cool Britannia

Von wegen Cool Britannia. Kein Mensch spricht in London derzeit noch davon, wie cool das Leben auf der Insel sein kann. Und kaum jemand kann sich daran erinnern, dass man in früheren englischen Sommern noch fast jedes Gespräch mit der Klage über den Nieselregen eröffnen konnte. Stattdessen redet von der Queen bis zum Busfahrer jeder darüber, wie er mit der Hitze zurecht kommt. Oder vielmehr nicht.

HB LONDON Das passende Wort zur allgemeinen Stimmung fand am Donnerstag das Boulevardblatt „Daily Mirror“: Grill Britannia. Mit 36,5 Grad wurde am Mittwoch der heißeste Juli-Tag auf der britischen Insel seit fast einem Jahrhundert gemessen. So viel Sonnenschein sind die Briten normalerweise allenfalls aus dem Badeurlaub fern der Heimat gewohnt - und meistens nicht einmal dort, wie viele rotverbrannte Rücken und Gesichter auf Mallorca oder an der Costa Brava immer wieder beweisen.

Der eigenen Schwächen ist man sich durchaus bewusst. „Wir neigen dazu, in der Sonne ein wenig durchzudrehen“, gab die Sonnenanbeterin Juliet Robinson diese Woche im Schwimmbad des Londoner Stadtteils Cheltenham zu Protokoll. „In einem Land wie diesem sind wir auf solches Wetter nicht wirklich eingestellt.“ Und in der Tat: Trotz der brütenden Hitze liegt in den Londoner Parks und Schwimmbädern die Mehrheit der Besucher immer noch voll in der Sonne.

In der U-Bahn kommt es immer wieder zu Verspätungen, weil man auf Innen-Temperaturen von bis zu 47 Grad nicht eingerichtet ist. Am schlimmsten ist es im Oberdeck der Doppeldecker-Busse. Dort ist es derzeit nicht selten mehr als 50 Grad heiß. An manchen Stellen hat sogar der Straßenbelag schon zu schmelzen begonnen.

Trotzdem wahren viele Engländer immer noch die Kleiderordnung. Die Busfahrer zum Beispiel dürfen am Arbeitsplatz keine kurzen Hosen tragen. Im Regierungsviertel Westminster sowie im Finanzdistrikt in der City sind die meisten Männer weiterhin mit Anzug und Krawatte unterwegs. Immerhin wurde im Unterhaus nun erlaubt, das Jackett abzulegen. Und an den Gerichten wurde der Perückenzwang gelockert.

Auch mit den strikten Bewässerungsrichtlinien, die wegen der extremen Dürre und des veralteten Leitungsnetzes in London schon seit einigen Monaten in Kraft sind, nimmt man es angesichts der jüngsten Hitzewelle nicht mehr so genau. Seit sogar Königin Elizabeth II. bei ihrer Gartenparty über den schlechten Zustand der Blumen klagte, greifen viele Londoner trotz Verbots wieder zum Wasserschlauch, um den Garten zu besprengen. Der Nachbar wird einen schon nicht verpfeifen.

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