Hitze, Wassermangel, Waldbrandgefahr
Dürre bedroht Europa

Leere Stauseen in Spanien, Dürre in Italien und Portugal, Einschränkung des Wasserverbrauchs in Frankreich: Im Mittelmeerraum herrscht bereits zwei Wochen nach Sommerbeginn teils katastrophale Trockenheit.

HB ROM/MADRID/LONDON/PARIS. Das ergab eine dpa-Umfrage. In einigen Regionen verschärft der große Wasserverbrauch durch Touristen die Lage, die Waldbrandgefahr steigt, und vor allem älteren und gebrechlichen Menschen macht die Hitze mit Temperaturen von über 30 Grad zu schaffen. Auch der Südosten Englands leidet unter Dürre, der Grundwasserpegel sank auf ein bedrohlich niedriges Niveau.

Anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen haben in sieben der insgesamt 20 italienischen Regionen bereits zu größeren Problemen geführt. Betroffen sind vor allem die nördlichen Gebiete Piemont, Ligurien und Lombardei sowie Sardinien. Im Piemont ist der Wasserstand des Lago Maggiore auf einen so niedrigen Stand zurückgegangen, dass der Bootsverkehr eingeschränkt werden musste. Die Nebenflüsse des Po in der Lombardei führen teilweise bis zu 70 Prozent weniger Wasser, berichteten Medien. Die Landwirte-Vereinigung Cia bezifferte die Schäden auf mehrere hundert Mill. Euro.

Alarmierende Wasserknappheit auch in Spanien: Seit Januar hat es kaum Niederschläge gegeben, die Wasserreserven sind nach Angaben des Umweltministeriums auf rund 54 Prozent geschrumpft. Das ist noch weniger als vor einem Jahr, als Spanien - wie auch das benachbarte Portugal - unter einer Jahrhundertdürre litt. Die Landwirte befürchten Einbußen in Milliardenhöhe. Zugleich schreitet die Wüstenbildung voran. Inzwischen ist allein in Spanien ein Drittel der Landesfläche davon betroffen, vor allem im Südosten. Dies wirkt sich auch auf die Vogelwelt aus, viele Arten haben das Weite gesucht.

An der Dürre ist in Spanien aber nicht nur der Mangel an Regen Schuld. Angesichts des seit Jahren anhaltenden Baubooms ist der Wasserverbrauch enorm gestiegen, zudem wird landesweit aus zehntausenden illegal gebohrten Brunnen Wasser für die Landwirtschaft gepumpt. Nicht zuletzt versickern große Mengen wegen maroder Leitungsnetze ungenutzt im Boden. In einigen Landesteilen wird die Wasserversorgung stundenweise eingestellt. Spaniens Umweltministerin Cristina Narbona betonte: „Wasser kann man nicht herstellen, wir müssen deshalb sparsam damit umgehen.“ Paradoxerweise sind in Gegenden wie Madrid oder an der Costa del Sol in Andalusien die Beschränkungen für den Wasserverbrauch aufgehoben worden, um in den Ferienorten Touristen nicht abzuschrecken.

In Frankreich sieht das Umweltministerium eine „Besorgnis erregende Lage“ in elf Départements kommen, insbesondere entlang der Rhone, an der Côte d'Azur und im westlichen Vorland der Pyrenäen, aber auch nordöstlich von Paris. Im Norden und Osten sowie am Atlantik hatte es im Winter/Frühjahr kräftig geregnet, die Grundwasserreservoire wurden gefüllt. Doch am Mittelmeer und auf Korsika blieb es deutlich zu trocken. Durch die Hitze um 35 Grad trocknet die obere Bodenschicht aus und verschärft die Waldbrandgefahr. Deshalb gilt hohe Brand-Alarmstufe in den Kiefernwäldern und dem Buschland im Süden.

Die Beschränkungen des Wasserverbrauchs wurden mittlerweile auf ganze Départements ausgeweitet, insbesondere auf Var und Bouces-du- Rhône am Mittelmeer und den Hérault. Hier dürfen jetzt keine Schwimmbecken mehr gefüllt und Sportplätze mehr gewässert werden. Als Mit-Verursacher des Wassermangels gilt die Landwirtschaft, vor allem der ausufernde Maisanbau auch in eher trockenen Gegenden. Die Regierung versucht deshalb den Anbau bewässerungsintensiver Kulturen zurückzudrängen. Umweltministerin Nelly Olin sieht wegen des Klimawandels die Gefahr von Dürren wachsen und plant vorbeugende Maßnahmen: So soll das Auffangen von Regenwasser als Brauchwasser gefördert werden, in Wohnanlagen sind Wasserzähler geplant, und die Landwirtschaft soll ihre Produktion umstellen.

In England ist vor allem der Südosten von der Dürre betroffen. In dieser Region sind die Regenfälle in den letzten 18 Monaten um ein Fünftel hinter ihren langjährigen Mittelwerten zurückgeblieben. „Mancherorts verfügen wir über weniger Wasser als die Bürger in Teilen des Sudans oder im Mittelmeerraum“, sagte David King, Chef der britischen Behörde für die Gewährleistung der Wasserversorgung. Sieben regionale Wasserversorger im Südosten haben schon im April Einschränkungen beim Wasserverbrauch verfügt. Ein viel diskutierter Aspekt ist das 150 Jahre alte Rohrleitungssystem Londons. Viel Wasser geht durch Lecks in den Leitungen verloren, Verbraucher wehren sich daher gegen die Einschränkungen. Bis 2010 soll ein Drittel der wasserdurchlässigen Eisenrohre durch Plastikrohre ersetzt werden.

Experten wie der Ozeanforscher und Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) führen häufigere extreme Wetterlagen in Europa auf die globale Erwärmung, bedingt durch Treibhausgas-Emissionen, zurück. „Hoch- und Tiefdruckgebiete bleiben dann mehrere Wochen oder bis zu zwei, drei Monate an einer Stelle“, hatte er früher bereits in einem dpa- Gespräch gesagt. Nach einer Studie stieg die Temperatur in Europa in den vergangenen 100 Jahren um 0,95 Grad Celsius. Die jährlichen Niederschläge hätten um zehn bis 40 Prozent in Nordeuropa zugenommen, während Südeuropa um bis zu 20 Prozent trockener geworden sei. In diesem Jahrhundert wird in Europa nach unterschiedlichen Berechnungen mit einem Temperaturanstieg von zwei bis 6,3 Grad gerechnet.

dpa bj yyzz si

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