Hitzerekord des Jahres in Halle
Sengende Sonne in Ostdeutschland

Die Temperaturen nähern sich dem Hitzerekord aus dem Jahr 2003. Damals zeigten die Thermometer im Saarland mehr als vierzig Grad. Ganz Deutschland hat die Hitze im Klammergriff. In Halle wurde der Hitzerekord des Jahres auf gestellt, die Polizisten in Schleswig-Holstein dürfen ihre obligatorische Dienstmütze abnehmen, den Getränkeherstellern fehlen die Flaschen.

HB HAMBURG. Die Sommerhitze bringt Menschen um den Schlaf, quält Hund und Katze und treibt den Bauern aus Sorge um die Ernte zusätzlich die Schweißperlen auf die Stirn. Am Donnerstag erreichte die Hitzewelle ihren Höhepunkt im Osten. Zwischen 15.00 und 16.00 Uhr wurden nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia in Halle-Trotha in Sachsen-Anhalt 38,8 Grad Celsius gemessen - ein neuer Rekord für das Jahr 2006.

Als Rekord- Hitzetag deutschlandweit gilt der 8. August 2003. Damals meldete Meteomedia den Spitzenwert von 40,8 Grad aus Perl-Nennig im Saarland, korrigierte diese Angabe später aber auf 40,3 Grad.

Superlative hatte es bereits am Mittwoch im Westen Deutschlands gegeben. Hitzepol war laut Meteomedia Kalkar in Nordrhein-Westfalen mit 38,6 Grad. Merklich kühler wurde es dort trotz aufziehender Wolken am Donnerstag nicht. Schwül-heiße Luft kündigte kräftige Gewitter an.

Auch die Nacht zu Donnerstag hatte keine Abkühlung gebracht. Aus Bochum-Sundern meldete Meteomedia 25,8 Grad. Haidmühle im Bayerischen Wald kam dagegen nur auf kühle 4,3 Grad. Der Rekord für die heißeste Nacht in Deutschland liegt bei 27,6 Grad. Die Temperatur wurde in der Nacht vom 12. zum 13. August 2003 im 556 Meter hoch gelegenen Weingebiet im Pfälzer Haardt gemessen.

Bilderstrecke: Vom Schwitzen und Abkühlen

Neben den extremen Temperaturen machen den Menschen auch die hohen Ozonwerte zu schaffen. Das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau appellierte an Autofahrer, den Wagen stehen zu lassen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte sogar Fahrverbote bei Ozonsmog. Der höchste Wert am Mittwoch wurde in Freiburg im Breisgau mit 239 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft gemessen. Ozon reizt die Augen und die Schleimhäute, die schlimmsten Schäden verursacht es jedoch in den Atemwegen. Laut UBA-Präsident Andreas Troge liegen die Werte aber noch deutlich unter dem Niveau der 90er Jahre.

Besonders schlimm dran sind derzeit etwa 2,5 Mill. Arbeitnehmer in Deutschland, die nach Angaben der IG Bauen-Agrar- Umwelt (BAU) unter freiem Himmel arbeiten müssen. Die Gewerkschaft fordert eine Art Schönwettergeld.

Die Bauern in Deutschland befürchten drastische Ausfälle bei der Getreideernte. „Es wird von Tag zu Tag dramatischer“, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. „Es gibt Felder, die sind total ruiniert.“ Besonders schlimm habe es bisher die Wintergerste im Osten, aber auch im Norden Deutschland getroffen. „Der Schaden wird größer als 15 oder 20 Prozent sein.“

Auch auf andere Wirtschaftszweige beginnt sich die Trockenheit auszuwirken. Während die extreme Hitze wegen der verstärkten Nutzung von Klimaanlagen den Stromverbrauch nach oben treibt, müssen die Atomkraftwerke ihre Leistung wegen zu warmen Kühlwassers drosseln. An der Elbe in Schleswig-Holstein verringerten alle drei Kernkraftwerke ihre Stromabgabe, auch die Atomanlage Unterweser war betroffen. Im Kraftwerk Krümmel wurde die Leistung um 25 Prozent reduziert, in Brunsbüttel um 20 Prozent, sagte ein Sprecher des Stromversorgers Vattenfall. E.ON fuhr den Reaktor im Kraftwerk Brokdorf um fünf Prozent herunter. Die Stromversorgung sei aber nicht beeinträchtigt.

Sogar die Leitung der schleswig-holsteinischen Landespolizei hat Mitleid mit den schwitzenden Ordnungshütern: „Die Beamten dürfen bei diesem Wetter in kurzärmeligen, offenen Hemden und ohne die eigentliche obligatorische Mütze Dienst tun“, erklärte am Donnerstag der Sprecher der Landespolizei, Frank Lassen, in Kiel. Die so genannte Anzugsbestimmung, ein Teil der Bekleidungsordnung, sehe das Tragen einer Kopfbedeckung außerhalb der Diensträume vor, enthalte jedoch auch die Klausel einer „lagebedingten Anpassung“.

Bei den Getränkehändlern hingegen klingeln die Kassen. Nach einer dpa-Umfrage werden vor allem Mineralwasser und Bier stärker nachgefragt. Viele Betriebe fahren Sonderschichten oder arbeiten rund um die Uhr, um für ausreichend Nachschub zu sorgen. Dennoch kämpfen manche Getränkehersteller und -händler mit Lieferengpässen. Weil Leergut nicht gleich zurückgebracht wird, fehlen Abfüllbehälter.

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