Holländische Halbinsel
Offene Flüchtlings-Oase

In Veere auf der holländischen Halbinsel Walcheren wird es erst im Winter richtig gut. Dann sind die Touristen weg, und die Hafenstadt besticht mit Ruhe und Ambiente.

VEERE. Es muss ein sagenhaftes Gelage gewesen sein, das Brautmahl am 21. Juni 1575. Jeronimus van Andel, Wirt des „Campveerse Toren“ an der Kaimauer von Veere, tischte auf: ein ganzes Kalb, Fasane, Wachteln, Lammfleisch, Rindfleisch, jede Menge Fisch, Gemüse, Brot und literweise französischen Wein – und Rheinwein.

Willem van Oranje, Vorfahr von Königin Beatrix und damals Herzog von Veere, feierte seine dritte Hochzeit mit der französischen Prinzessin Charlotte de Bourbon. Es gab einen weiteren Grund zum Feiern: Zwei Jahre zuvor hatte der im heute hessischen Dillenburg geborene Oranier die Niederlande von der spanischen Herrschaft befreit.

„Heute gibt es bei uns statt solcher Völlereien saisonal und regional inspirierte Küche“, sagt Hendrina van Cranenburgh, die das älteste Restaurant und Hotel in Holland vor ein paar Jahren von ihrem Vater übernommen hat.

Im November stehen Seezungenfilet mit Austern, Steinbutt-Terrine, Hirsch-Noisette mit Portwein-Sauce und als Dessert Mousse von Zeeland-Quitten auf der Speisekarte – und auf der Rückseite die detaillierte Brautmahl-Rechnung von 1575. Kulinarischer Höhepunkt ist von April bis Mitte August Hummer aus der Oosterschelde.

Doch irgendetwas stimmt nicht mit dem Turm der alten Befestigungsanlage, dem Hafenkai mit den Kanonen, dem prächtigen Rathaus und der „Grote Kerk“, die auf Walcheren meilenweit zu sehen ist. Alles scheint zu groß zu sein, zu pompös für ein Städtchen mit 1 500 Einwohnern. „Veere hatte seine Glanzzeit im 15. und 16. Jahrhundert“, heißt es in der Stadtchronik.

Hier florierte einer der wichtigsten Häfen in den Niederlanden. Veere besaß bis zur napoleonischen Zeit das europaweite Monopol für den Handel mit Wollstoffen aus Schottland. Mit dem zweiten Wirtschaftszweig, der Fischerei, war es 1961 zu Ende, als nach der großen Sturmflut von 1953 das „Verse Meer“ durch einen Damm abgetrennt wurde.

Seite 1:

Offene Flüchtlings-Oase

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%