Hotel Everland: Pariser Lufthoheit

Hotel Everland
Pariser Lufthoheit

Die Hotelsterne hängen ziemlich hoch in Paris: Wer Luxus möchte, muss nicht lange suchen. Eine der teuersten Unterkünfte unter den besten Adressen der Stadt verzichtet dabei sogar auf Zimmerservice, Concierge oder Restaurant. Das Hotel Everland punktet dabei mir anderen Vorzügen – und diese sind einfach nicht zu toppen.

PARIS. Für Paris-Besucher gibt es seit ein paar Wochen besonders ein Gesprächsthema: Bekomme ich einen Tisch bei Jules Verne? Das Restaurant mit dem Namen des französischen Science-Fiction-Autors vereint optischen und kulinarischen Hochgenuss: Für die Karte zeichnet Alain Ducasse verantwortlich und für das Ambiente die spektakuläre Location: der Eiffelturm. Kurz vor Weihnachten hat der Sternesammler Ducasse seine Dependance eröffnet. Und seither bilden sich dort beinahe ähnlich lange Schlangen, wie vor den Aufzügen des Eiffelturms selbst.

Noch spektakulärer – und elitärer – ist ein Frühstück im Hotel Everland. Das wird in einem weißen Space-Age-Köfferchen gereicht. Und mit einem nahezu unbezahlbaren Blick. Denn das Hotel Everland steht auf dem Dach des Palais de Tokyo – und von dort sieht man nicht nur über die Stadt, sondern auch auf sein (kulinarisches) Wahrzeichen: den Eiffelturm. Und anders als bei Ducasse muss man das optisch-kulinarische Vergnügen mit niemandem teilen. Denn das Hotel Everland ist ein Einraumhotel, eher Container oder Wohnwagen als Appartement. Und nicht Paris-plüschig, sondern Ufo-psychedelisch. Selbst Edith Piaf vom kleinen Plastikplattenspieler wirkt dort außerirdisch.

Und sowieso ist das Everland auch nicht als Absteige gedacht, sondern als mobiles Kunstwerk, als bewohnbare Installation. Tagsüber können Museumsbesucher es besichtigen, nachts einige Auserwählte darin schlafen. Ursprünglich wurde die Containerherberge von dem Künstlerpaar Sabina Lang und Daniel Baumann für die Schweizer Expo konzipiert. Ursprünglich residierte es auf einem Steg in Yverdon am Neuenburger See. Seither tourt es durch Europa. Zunächst wechselte es aufs Atelierdach der beiden Künstler in Burgdorf. Bis Oktober thronte es auf der Dachterrasse der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst. Und im Oktober wurde es schließlich auf einen Sattelschlepper verladen und an die Seine transportiert. Das Hotel Everland steht noch bis Dezember 2008 auf dem Dach des Pariser Palais de Tokyo, dann wird es Kunstfreunde und Liebhaber von ausgefallenen Übernachtungsmöglichkeiten an einem anderen Ort beglücken.

Übernachten können dort übrigens nur Glückskinder oder gut Betuchte. Das Zimmer wird jeweils 60 Tage vorher zu einer nicht festgelegten Stunde auf der kunstwerkeigenen Internetseite angeboten. Da kostet es zwischen 333 und 444 Euro (in Leipzig waren es noch 222 Euro) – was aber für das ausgefallene Kunsterlebnis im Herzen von Paris ein passabler Preis ist. Ach ja, der Inhalt der Minibar ist im Preis inbegriffen. Und wer sich auf das Dach des Palais zurückgezogen hat, der wird wohl kaum noch zu einem ausgiebigen Kneipenbummel aufbrechen wollen.

Dumm nur, dass die Wahrscheinlichkeit, auf regulärem Weg noch ein Zimmer zu ergattern, deutlich kleiner ist, als bei Ducasse am selben Abend einen Tisch zu ergattern. Wer leer ausgeht, kann aber ab und an auch eine Übernachtung ersteigern. Die letzte ging für 3 600 Euro weg. Da kommt einem das Jule Verne mit Menüpreisen zwischen 150 und 190 Euro wie eine Jugendherbergskantine vor.

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