Hotelzimmer der Zukunft
Auf Knopfdruck Aussicht

Wohlfühlen - das versprechen zahlreiche Hotelbetreiber. Damit das funktioniert, wird aufwendige Technik in die Zimmer verbaut, sichtbare und unsichtbare. Und manchmal auch zu viel.
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Die Aussicht auf Shanghai am späten Abend ist ein Traum. Bunt leuchten die zwei Kugeln des Pearl TV Towers und der 492 Meter in die Höhe ragende Turm des World Financial Tower. Wer im Bett liegt, kann bequem von einem Schalterpanel auf dem Nachttisch die Vorhänge vor den bodentiefen Fenstern elektrisch vollständig auffahren und sie genauso bequem wieder mit einem Knopfdruck zufahren, dann per Fernbedienung den Flachbildfernseher anschalten, eine DVD anschauen oder die Schnappschüsse der Digitalkamera, deren Speicherkarte über eine Buchse ausgelesen wird.

Am morgen wartet im Badezimmer neben den weichen Bademänteln ein Fernseher, der in den Badezimmerspiegel integriert ist, während nebenan im Ankleideraum der mehr als 50 Quadratmeter großen Deluxe River Suite ein in die Wand eingelassener Fön bereitsteht, den Nagellack des weiblichen Gasts zu trocknen.

Gut erholt nach einer Nacht, verlässt der Gast das Zimmer, tritt auf den Hotelflur, wendet sich nach links - und ist schlagartig ernüchtert: Er steht vor einer kleinen Metalltreppe, umgeben von einem Metallkäfig in einer Tiefgarage in einem Hochhaus in Hongkong. Vor dem Zugang stehen Modelle für Toilettenschüsseln, Badewannen und Rohversionen für Möbel. Die Aussicht auf Shanghai im Zimmer ist eine Attrappe, die einzige, alle Schalter funktionieren und die Dusche läuft. Auch der Zimmerservice würde antworten, wenn man ihn anriefe. Es ist der sogenannte Mock-Up-Room, den die Hotelgruppe Peninsula in Hongkong als Vorbereitung für die Eröffnung ihres Hotels in Shanghai im Jahr 2010 gebaut hatte.

"Wir probieren alle unsere neuen Techniken aus, und dafür wohnen hier immer wieder auch Mitarbeiter, vom Techniker bis zum Hoteldirektor", sagt Ingvar Herland, General Manager Research & Technology bei der Holding Hongkong and Shanghai Hotels Limited, der Besitzerin und Betreiberin der Peninsula Hotels mit Häusern in Hongkong, Tokio und Chicago. Derzeit wohnen die Techniker und Manager öfter im Mock-Up-Room für das Pariser Haus zur Probe, das 2013 eröffnen soll.

Ankommen und wohlfühlen, das ist laut Werbung stets das Ansinnen der Herbergen, ob Budgethotel mit Designanspruch oder opulent eingerichtetes Grand Hotel. Um das zu erreichen, setzt die Gastronomie auf technische Lösungen, teils sichtbar, teils unsichtbar. Das Kimpton Hotel Nine Zero in Boston scannt die Iris des Gastes gleich zweimal, am Empfang und an der Zimmertür, erst dann erhält er Zutritt zum Zimmer. Karte oder Schlüssel sind Vergangenheit. Im Inselhotel Conrad Maldives Rangali Island auf den Malediven bekommt jeder Gast ein speziell programmiertes iPod Touch beim Einchecken, um damit einen Tisch oder eine Spa-Anwendung zu buchen.

Bewegungssensoren und Temperaturfühler messen, ob der Gast im Zimmer ist, fahren in seiner Abwesenheit die Temperatur hinab und schalten das Licht ab. Aus Gründen der Diskretion soll von außen niemand erkennen, ob ein Gast im Zimmer ist, mit Ausnahme des Hotelpersonals: Die Zimmermädchen zum Beispiel, die für die Nacht die Vorhänge schließen und das Bett aufdecken wollen, müssen wissen, ob das Zimmer besetzt ist. Mithilfe der Schlösser und Sensoren soll möglichst große Gewissheit hergestellt werden. "Sie können schließlich keine Kamera im Zimmer installieren, um zu kontrollieren, ob der Gast drin ist", sagt Herland.

Technik im Dienst des Komforts, das ist das Ziel. Schläft der Gast im Jumeirah in Frankfurt vorm Fernseher ein, dann schaltet sich das Gerät nach einiger Zeit von allein ab. Luftzug muss der Gast auch nicht fürchten, eine Klimaanlage gibt es nicht, mit Flüssigkeit gekühlte Zimmerdecken steuern die Raumtemperatur.

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