ICE-Unfall
Fachleute halten Materialfehler für unwahrscheinlich

Der ICE-Unfall von Köln ist nach Einschätzung von Fachleuten nicht auf einen Materialfehler, sondern auf eine äußere Beschädigung zurückzuführen. Dadurch sei ein Defekt an einer Radsatzwelle entstanden.

HB FRANKFURT. Günter Löffler von der TU Dresden sagte dem "Spiegel": "Alles spricht für eine äußere Beschädigung der Radsatzwelle, etwa durch lose Metallteile des Bahn-Unterbodens oder Gegenstände auf dem Gleis." "Das würde auch erklären, warum Reisende schon vor dem Unfall auf der Strecke zwischen Frankfurt und Köln Geräusche gehört haben", sagte der Inhaber des Lehrstuhls für die Technik spurgeführter Fahrzeuge. Die Welle selbst sei vermutlich erst beim Anfahren des Zuges gebrochen, weil dabei die höchste Belastung auftrete.

Expertenkreise bestätigten, die bisherigen Erkenntnisse deuteten in diese Richtung. "Der Spiegel" schrieb, auch Ingenieure der Deutschen Bahn hielten diese Erklärung für wahrscheinlich. Bahnsprecher Jürgen Kornmann wollte dies mit Verweis auf die noch nicht abgeschlossene Untersuchung nicht kommentieren.

Am 9. Juni war der ICE 518 bei der Abfahrt am Kölner Hauptbahnhof wegen einer defekten Radsatzwelle entgleist. Anschließend wurden baugleiche ICE-3 vorsichtshalber aus dem Verkehr gezogen und mit Ultraschall untersucht, dabei wurden keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.

"Der Spiegel" berichtete, die Bahn habe sich diesen Inspektionen zunächst widersetzt. Nachdem auch das Eisenbahnbundesamt (Eba) das Unternehmen erst nicht zu der aufwendigen Wartungsaktion habe bewegen können, sei Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee aktiv geworden. Er habe Spitzenbeamte aus seinem Haus aufgefordert, das Bahn-Management zum Einlenken zu bewegen.

Bahn-Sprecher Kornmann wollte zu den Abläufen nicht Stellung nehmen, widersprach aber der Darstellung, der Konzern habe zu den Überprüfungen erst gezwungen werden müssen. Es habe nach dem Unfall auf Fachebene Diskussionen über die notwendigen Maßnahmen gegeben. Man habe sich dann gemeinsam mit dem Eba auf die Überprüfungen geeinigt. Die Bahn verwahre sich gegen den Eindruck, sie habe nicht konstruktiv an einer Lösung mitgearbeitet.

Das Eba hatte in dieser Woche erklärt, es könne keine Rede davon sein, dass der Bahnvorstand erst durch die Aufsichtsbehörde zu den Maßnahmen habe gedrängt werden müssen.

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