Indiens Wirtschaftswunder
Atemlos in Delhi

Indien ist Boomnation, Wirtschaftswunderland und zugleich das größte Armenhaus der Welt. Indien nimmt einem den Atem. Eine Besichtigung vor Ort.
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Indien wird in wenigen Jahren nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Erde sein, sondern auch einen Platz unter den größten Wirtschaftsmächten der Welt beanspruchen. Seitdem sich das Land für den Welthandel geöffnet hat, erlebt es einen sagenhaften Boom. Unternehmen wie Tata, Arcelor-Mittal oder Infosys zählen jetzt schon zur Liga der Global Player.

Doch nicht alle haben etwas von dem Boom. Weiterhin leben hunderte Millionen in Armut – an ihnen geht der Aufschwung völlig vorbei. Die Gegensätze zwischen Arm und Reich haben sich in den vergangenen Jahren sogar noch verschärft. Auch die Korruption im Land könnte das Wachstum gefährden.

Wie wird Indien die Herausforderungen meistern? Und was steckt hinter den schönen Wachstumszahlen? Das wollte ich mir vor Ort anschauen. Gemeinsam mit einer Gruppe deutscher Journalisten reise ich nach Indien. Auf dem Terminkalender stehen Gespräche mit Politikern, Unternehmern und Wissenschaftlern, aber auch mit "normalen" Menschen.

Ankunft im Smog

Delhi, 24. November: Wir landen mitten in der Nacht in Delhi. Als wir den Flughafen verlassen, habe ich das Gefühl, gegen eine unsichtbare Wand zu laufen. Die Luft ist zum Schneiden, nimmt mir den Atem. Es ist der Smog. Der dichte Verkehr von Delhi ist berühmt-berüchtigt, ich habe viel darüber im Vorfeld gelesen. Jetzt erfahre ich am eigenen Leib, was es heißt, dass auf den Straßen dieser Stadt vier Millionen Autos unterwegs sind. Täglich kommen einige Tausend dazu. Für die deutschen Autobauer ist Indien das gelobte Land. Sie hoffen, dass sie den Indern künftig massenweise Autos verkaufen werden – um auszugleichen, dass sich Europäer und Amerikaner immer mehr zurückhalten.

Verglichen mit den gesättigten Märkten hat Indien einen riesigen Nachholbedarf. Auf 1.000 Einwohner kommen hier etwa elf Autos, in Deutschland sind es 500. Ich habe das Gefühl, dass in Delhi jetzt schon zu viele Autos auf der Straße sind. In der Rushhour geht es nur im Schneckentempo vorwärts, und selbst in der Nacht sind manche Straßen noch dicht. Kaum auszudenken, was hier los sein wird, wenn sich künftig noch mehr Inder ein Auto leisten können; vielleicht gibt es auch einfach nicht genug Straßen, die Regierung kommt mit dem Bau nicht hinterher. In den kommenden Tagen werden wir die Gelegenheit haben, mit Managern von BMW und Volkswagen darüber zu sprechen, wie sie sich den Automarkt der Zukunft vorstellen.

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