Indisches Tempelfest
Segen vom Elefanten

Das südindische Hampi ist eine heilige Stätte des Shiva-Kultes, dessen Tempelfest Zirkus und Panoptikum zugleich ist. In Hampi kann man leicht ein paar Tage verbringen, um den Menschen beim Leben zuzusehen: wie sie Feste feiern, beten oder ihre Felder bestellen. Ein Besuch im Weltkulturerbe.

HAMPI. Das indische Tempelfest ist in Hampi in vollem Gang. Das kleine Dorf liegt etwas verloren mitten im südindischen Staat Karnataka, acht Stunden östlich von Goa und ebenso weit von den IT-Wunderblüten Bangalore und Hyderabad entfernt.

Mindestens drei sehr gute Gründe gibt es, die Reise nach Hampi auf sich zu nehmen: die spektakuläre und sagenumwobene Landschaft aus Granitfelsen; die 500 Jahre alten Ruinen des mächtigen Königreiches von Vijayanagar, ein Unesco- Weltkulturerbe. Und drittens: Hampi ist eine heilige Stätte des Shiva-Kultes, an der man ein Panoptikum indischer Tradition und Kultur erleben kann.

Das Fest, eine Art Zirkus, wird zum ersten Aprilvollmond zu Ehren der Götter gefeiert. Schlangenbeschwörer, Asketen, ein freundlicher Elefant in goldener Festrobe – alle sind mit dabei. Es ist früher Abend.

Der Hampi-Basar, an dessen Kopfende der große Eingangsturm (Gopuram) zum Virupaksha-Tempel wie eine Stufenpyramide thront, ist voll mit zähflüssigem Leben. An den Ständen türmen sich indische Süßigkeiten, Opfergaben und Kinderspielzeug. Familien bummeln, Marktschreier rufen. Mittendrin stehen zwei wundersame Vehikel, riesige Holz-Tempel auf Rädern. In ihnen residiert je ein Gott, der zum Fest aus dem dunklen Sanctum Sanctorum seines Tempels an die frische Luft geholt wurde.

Aus der Tempelpforte kommt mit viel Getöse eine kleine Prozession. Zwei Brahmanen in weißem Tuch, mit strenger Miene, marschieren vorneweg. Helfer tragen Öllampen. Dahinter stampft gutmütig der Tempel-Elefant, Stolz des Dorfes. Seine Stirn und sein Rüsselansatz sind liebevoll mit zierlichen Mandalas bemalt. Darauf folgt eine bunte Schar freiwilliger Trommler und Trompeter, das indische Pendant zum Kirchenchor.

Ab und an bleibt der Zug stehen. Dann sammelt sich sogleich eine kleine Menschentraube um den Elefanten, um sich segnen zu lassen. Man hält dem Elefanten eine Münze hin. Der schnappt sie mit seiner feuchten, rosa Rüsselspitze, schwingt den Rüssel routiniert zurück und lässt die Münze dann seinem Mahout, der neben ihm postiert ist, in die offene Hand oder gleich in die Brusttasche fallen.

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