Insel soll sich der Dynamik des Meeres anpassen können
Sylt wird zum Zankapfel von Wissenschaft und Bewohnern

Der Vorschlag von Wissenschaftlern, Sylt den gewaltigen Kräften der Nordsee zu überlassen und den teuren Küstenschutz aufzugeben, bringt die Bewohner der Insel in Rage.

HB WESTERLAND/SYLT. Eine Million Kubikmeter Sand reißt das Meer jedes Jahr von den Stränden der beliebten Promi- und Ferieninsel. Vier Millionen Euro gibt der Staat jährlich für Aufspülungen aus, um den Verlust auszugleichen. Dieses Geld ist nach Überzeugung des Touristikdirektors von Westerland, Peter Douven, gut investiert. Bei rund 600 Millionen Euro touristischem Gesamtumsatz, die Sylt erwirtschaftet, lohne sich das. Mit dem Argument, die Insel sei auch ein natürliches Bollwerk für das Festland, verteidigt die Landesregierung in Kiel die Ausgaben für den Küstenschutz auf Sylt.

Vor allem um Kosten einzusparen, sollte sich die Insel langsam der Dynamik des Meeres anpassen und nach Osten in Richtung Festland verlagern dürfen, sagt dagegen der Leiter der Lister Wattenmeerstation des Alfred-Wegener-Instituts, Prof. Karsten Reise. Dieser Prozess würde sich über mindestens 200 Jahre hinziehen. Damit blieben die Nordsee-Insel und ihre Funktion selbst bei einem drohenden Meeresspiegelanstieg erhalten, meint Reise. Eine ähnliche Auffassung vertritt der Kieler Meeresbiologe Kai Ahrendt.

Der Widerstand auf Sylt gegen Reises Vorschlag ist groß. „Kurzsichtiger Blödsinn“, kommentiert Westerlands Bürgermeisterin Petra Reiber. Ihre Stadt wäre von einer Inselverlagerung besonders betroffen, weil viele Gebäude aufgegeben werden müssten. Dass Sand für Sylt lebenswichtig ist, sieht auch Reise. Doch seine Kernaussage ist: Kein Sand mehr an der Westküste aufspülen, dort jährlich bis zu 1,5 Meter Landverlust in Kauf nehmen und dafür immer wieder einmal Sand in geringen Mengen an die Wattseite transportieren. Die Insel als solche bleibe dabei bestehen, prognostiziert Reise.

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