Israel
Die Fun-Stadt

Tel Aviv ist eine Oase. Eine Stadt, die nicht nur hedonistische Metropole und kulturelle Seele Israels ist, sondern auch das ökonomische Herz des Landes, dessen High-Tech-Industrie den Vergleich mit den innovativsten Metropolen nicht zu scheuen braucht. Jetzt wird Tel Aviv 100 Jahre alt.

TEL AVIV. Eine Stadt mit 390 000 Einwohnern wird 100 Jahre alt. Na und? Andere Städte sind älter, größer und schöner. Jerusalem ist sogar heiliger. Tel Aviv aber ist etwas Besonderes. Nur wenige Städte bieten auf engem Raum so viel Spaß, Sport und Spiel. Gleichzeitig gehört die Küstenstadt, die nie Pause macht, zu den florierenden Weltstädten. Sie ist das unbestrittene Wirtschaftszentrum eines Landes, dessen High-Tech-Industrie den Vergleich mit den innovativsten Metropolen nicht zu scheuen braucht. Dem 5 000 Jahre alten Jerusalem hat Tel Aviv längst den Rang abgelaufen. Nur für Pilger und Orthodoxe, Diplomaten und Politiker ist Jerusalem das Zentrum Israels geblieben.

Ein Blick auf die Landkarte lässt zwar nichts von der Offenheit erkennen, die für Tel Aviv charakteristisch ist. In der Vorstadt Bnei Brak, keine halbe Autostunde vom Zentrum entfernt, richtet sich das Leben nach den strengen Vorschriften der Ultra-Religiösen. Östlich von Tel Aviv trennt der Sicherheitswall das israelische Kerngebiet von der arabischen Welt ab. Keine hundert Kilometer südlich liegt der Gazastreifen. Wer nach Norden will, wird an der libanesischen Grenze angehalten. Aber der Strand im Westen symbolisiert die Offenheit gegenüber Europa. Er sorgte von Anfang an dafür, dass das mediterrane Tel Aviv zur säkularen Fun-Stadt wurde.

Willkommen in der Oase Tel Aviv, die nicht nur hedonistische Metropole und kulturelle Seele ist, sondern auch das ökonomische Herz des Landes. Alle Banken und Versicherungsfirmen haben ihre Hauptquartiere in Tel Aviv. Die Stadt ist der Motor des nahöstlichen Silicon Valleys. Hier verdient man deutlich mehr als im Landesdurchschnitt. Die wichtigsten (und profitabelsten) Industrien Israels werden im Bezirk Tel Aviv mit seinen rund 170 Quadratkilometern kontrolliert – IT, Kommunikation, Internet und Rüstung. Innovative Firmen wie Comverse, die Erfinderin der Voice-Mail, Mirabilis, die Entwicklerin des Computer-Tratsch-Programms „ICQ“, oder Checkpoint, eine Anbieterin von Sicherheitslösungen – sie tragen dazu bei, dass die kritische Masse für den Technologieschub der Zukunft längst überschritten ist. Die Technologie verbindet die Stadt mit dem globalen Dorf.

Der Humus, auf dem unternehmerische Initiativen gedeihen, ist nicht nur die junge Bevölkerung – ihr Durchschnittsalter beträgt 34 Jahre. Die israelische Vorliebe für Glücksspiele und eine gesunde Risikobereitschaft sind hier besonders ausgeprägt. Man scheint es förmlich zu genießen, Hindernissen zu trotzen. Unternehmer und Investoren in Tel Aviv seien beständig auf der Suche nach neuen Technologien, die sie besitzen und dominieren wollen – so brachte kürzlich die amerikanische High-Tech-Journalistin Sarah Lacy ihre Eindrücke von Tel Aviv auf den Punkt.

Tel Aviv war schon immer anders als der Rest des Landes. Während der Zionismus das Leben auf der Scholle und in den Kibbuzim als gesellschaftliche Vorzeigemodelle pries, ging es in Tel Aviv urban zu. So spielte man in den Kibbuzim zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Horra auf, einem kollektiven Volkstanz. In den Tel Aviver Salons und Cafés waren hingegen bürgerliche Gesellschaftstänze en vogue. Der angesehene Schriftsteller Chaim Bialik organisierte Kulturabende, man holte die berühmtesten Geiger, eröffnete ein Kino, organisierte Oper-Aufführungen, ging ins Café. Und es gab natürlich auch sehr bald eine Schönheitskonkurrenz in der europäischen Enklave des damaligen Palästinas. Dass die erste von einer Immigrantin aus dem Jemen gewonnen wurde, charakterisiert die Gespaltenheit zwischen Orient und Okzident.

Im Hafen der arabischen Stadt Jaffo waren seit Endes des 19. Jahrhunderts jüdische Einwanderer aus Russland an Land gegangen. Viele blieben in Jaffo hängen – doch bald wurde es ihnen zu eng in den Gassen der Hafenstadt. Deshalb sollte nördlich davon etwas Neues entstehen: Tel Aviv.

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