Israel
Nationalpark der Kreuzritter

Überall im „Heiligen Land“, wie die Kreuzzügler das heutige Israel nannten, treffen Besucher auf Überreste atemberaubender Baukunst. Die Kreuritterburgen sind größtenteils als „Nationalparks“ ausgewiesen, ebenso wie die Areale altjüdischer Synagogen, Römerstädte, antike Quellheiligtümer und moderne Erholungsparks.

Castel Pelegrino. Ruine von reizender und schrecklicher Wirkung. Was für Kerle, diese Kreuzfahrer!“ notierte vor 120 Jahren Gustave Flaubert. Schon vom Bergrücken des Karmel sind die verfallenen Gebäude am Meer bei Haifa zu erkennen. Aber dann endet der Ausflug an einem Schlagbaum, nur wenige hundert Meter von den riesigen Quadern der Burganlage entfernt. Militärisches Sperrgebiet. Sogar Bewohnern des nahen Künstlerdorfes En Rod bleibt der Zutritt verwehrt. Das ist zum Glück die Ausnahme. Alle anderen Kreuzritterburgen in Israel sind zugänglich.

Die Kreuzzüge, das zentrale Ereignis des europäischen Mittelalters, sind in der zehntausendjährigen Geschichte Palästinas und Israels eine verhältnismäßig kurze Epoche. Vor gut 900 Jahren, am 27. November 1095, rief Papst Urban II. in Clermont die Christenheit zur Befreiung des Heiligen Grabes aus den Händen der Ungläubigen auf. Den Anlass zum ersten Kreuzzug gaben die türkischen Seldschuken, die christlichen Wallfahrern auf dem Weg nach Jerusalem das Leben schwer machten. Trotz verlustreicher Rückschläge gelang es dem fränkisch-normannischen Heer, Jerusalem 1099 zu erobern.

Die abendländischen Ritter und ihr aus allen Volksschichten kommendes Gefolge sahen sich in einem „Meer von Feinden“. Durch Feuerzeichen von Burg zu Burg verständigten sich die Bewohner über nahende Gefahren. Am weitesten waren die Signale von Belvoir zu sehen.

Diese Kreuzritterburg wartet mit einem überwältigenden Rundblick auf. Sie liegt 312 Meter über dem Meeresspiegel und 550 Meter über dem Jordantal, dem tiefsten Graben der Erdoberfläche. Von dort schaut man auf den größten Teil Galiläas, fast den gesamten Norden Israels einschließlich der Golanhöhen bis zu den Schneehängen des Hermon, den See Genezareth sowie die Wasserreservoirs, Treibhäuser und Kibbuzim des Jordantales. Die gegenüberliegenden Berge Nordjordaniens sind zu sehen, im Westen der kuppelförmige Berg Tabor mit seiner Benediktinerabtei und einem griechischen Kloster, dahinter die weißen wie ein Gletscher leuchtenden Stadtviertel von Nazareth.

Die Burg Belvoir wurde aus schwarzem Basaltgestein an einem Steilhang erbaut und durch einen in den Fels gehauenen Graben vom Bergplateau getrennt. Kern der Anlage war der Donjon, eine Burg in der Burg, Wohngebäude der Ritter und letzter Zufluchtsort, wenn die Außenanlage vom Feind bezwungen worden war.

Während Belvoir ein fast quadratisches Geviert nach römischem Muster darstellt, ist der Grundriss der Kreuzritterburg Nimrod dem Felsrücken angepasst, 430 Meter lang und bis zu 150 Meter breit.

Nimrod liegt romantisch auf einem Felsrücken, in unmittelbarer Nähe der öden Golanhöhen, einiger Drusendörfer und des Wintersportplatzes am Hermon-Massiv. In weiten Windungen führt eine asphaltierte Nebenstraße bis vor die Burgmauern. Drusische Bauern in ihrer orientalischen Tracht ernten Oliven, unter den knorrigen Bäumen stehen ihre Reit- und Packesel. Qua’lat Nimrod würde wieder syrisch sein, sollte Israel eines Tages das besetzte Gebiet zurückgeben.

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