Ja-Wort oder Laufpass?
Wie die Briten auf William und Kate wetten

Wetten, dass einige Briten nach der royalen Hochzeit ein paar Pfund mehr auf dem Konto haben werden? Wetten gehört in Großbritannien zum Volkssport, und die Hochzeit des Jahrzehnts bietet zahlreiche Möglichkeiten.
  • 0

LondonNoch sind Prinz William und Kate Middleton nicht verheiratet, doch auf den Zeitpunkt ihrer Scheidung kann man schon jetzt wetten. Weiter können wettbegeisterte Briten darauf setzen, ob der Gemahl der Königin, Prinz Philip, während der Zeremonie einschläft und ob es am Wedding Day regnet.

Für jene Zweifler, die nicht daran glauben, dass es am 29. April überhaupt zur Eheschließung kommt, gibt es auch die passende Wette: Wenn „Waity Katie“ - wie englische Zeitungen Williams Langzeitfreundin wegen ihres langen Wartens auf den Heiratsantrag tauften - ihrem Traumprinzen am Altar den Laufpass gibt, zahlt Ladbrokes, einer der größten Wettanbieter des Landes, für jedes hierauf gesetzte Pfund hundert aus.

Im Vereinigten Königreich lässt sich praktisch auf alles wetten. „Es ist schon lange Teil unserer Kultur und gehört zum Alltag dazu“, sagt Rupert Adams von William Hill, dem nach eigenen Angaben größten Buchmacher Großbritanniens. Seit 1961 sind Wettbüros außerhalb der Rennstrecken legal und prägen seither das Bild der Straßen. Das „Punten“ gehört zum Alltag wie die Leidenschaft für Pferde- und Hunderennen und ist mit dieser eng verknüpft.

Laut einem Bericht der Wett-Kommission, die weite Teile des britischen Glücksspiels reguliert, haben 16 Prozent der Bevölkerung 2010 auf Pferderennen gewettet. Der drittgrößte britische Buchmacher Coral bestätigt, dass 40 Prozent seines Umsatzes aus Pferdewetten stammen. Das wichtigste Wettereignis des Jahres ist das Hindernisrennen Grand National, das jeden April stattfindet. „Darauf werden bei uns 150 Millionen Pfund gewettet“, sagt Rupert Adams.

Der Wettmarkt in Großbritannien verzeichnete in der Saison 2009/2010 einen Umsatz von 21 Milliarden Pfund, sagt John Travers von der Glücksspiel-Kommission. 8000 Wettbüros gibt es neben vielen Internetanbietern in Großbritannien.

In diesen Läden herrscht eine eigentümliche Atmosphäre. Auf Bildschirmen verfolgt die überwiegend männliche Klientel mehrere Live-Rennen. Einige Gäste blättern in der „Racing Post“, einer reinen Wett-Tageszeitung. Der TV-Kommentar hallt durch den Raum und wenn ein Jockey stürzt, erklingt ein allgemeines Raunen. Hier und da unterhält man sich kurz. Keiner nimmt es dem anderen übel, wenn er übereilt davonstürzt, um noch schnell einen Wettkupon am Schalter abzugeben.

„Ich setze nur auf Hunderennen“, sagt Straßenkehrer Richard Riad, und ich setze meistens auf den Hund mit dem schönsten Namen.“ Auch die bunt leuchtenden Roulette-Automaten sind hoch frequentiert. Für 20 Pence gibt es den schnellen Nervenkitzel und die Hoffnung auf das große Glück. „Mein größter Wettgewinn waren 950 Pfund am Automaten“, sagt der Gelegenheitsspieler.

Seite 1:

Wie die Briten auf William und Kate wetten

Seite 2:

Wetten auf den Weltuntergang

Kommentare zu " Ja-Wort oder Laufpass?: Wie die Briten auf William und Kate wetten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%