Josef Neckermann
Brückenbauer zwischen Sport und Wirtschaft

Josef Neckermann war eine Symbolfigur des deutschen Wirtschaftswunders. Und ein Mann des Reitsports. Mit deutschen Dressurmannschaften gewann er zweimal Olympia-Gold. Am 5. Juni jährt sich sein 100. Geburtstag.
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DüsseldorfJosef Neckermann war nicht nur eine Symbolfigur des deutschen Wirtschaftswunders. „Neckermann macht's möglich“ - der Slogan des Versandunternehmens galt auch für das „Sozialwerk des deutschen Sports“, wie sich die Sporthilfe einst bezeichnete. Und Neckermann machte so vieles möglich: Als Spitzenmann dieser Organisation trug „Necko“, wie ihn seine Weggefährten nannten, von 1967 bis zu seinem Rückzug Ende 1988 rund 230 Millionen Mark zusammen. Er selbst nannte sich als Sporthilfe-Vorsitzender „Bettler der Nation“.

Der am 5. Juni 1912 in Würzburg geborene und am 13. Januar 1992 im hessischen Dreieich gestorbene Neckermann war eine prägende Gestalt seiner Zeit, nicht nur als Unternehmer, auch als Sportler und Sportführer. Zweimal wurde er mit deutschen Dressurmannschaften Olympiasieger, gewann insgesamt sechs olympische Medaillen.

Und „Necko“ war ein Gentleman. Als ihn der schwedische Oberst Gustaf Nyblaeus bei den Spielen 1972 in München gnadenlos abwertete und Neckermann mit 1177 Punkten „nur“ Bronze hinter seiner deutschen Mitstreiterin Liselott Linsenhoff (1229) und der UdSSR-Topfrau Jelena Petuschkowa (1185) gewann, ließ sich Neckermann den Spaß trotzdem nicht nehmen. Begeistert schwenkte er seinen Zylinder, lachte, freute sich - auch ohne Gold oder Silber gewonnen zu haben.

Begegnungen und Gespräche mit Josef Neckermann waren immer ein Genuss. Mit fein akzentuierter Sprache stellte er sich den Fragen - und besonders gern dann, wenn es um eines seiner Lebenswerke ging: die Sporthilfe. Unermüdlich warb er bei allen, die ihm über den Weg liefen, um Gelder für sein „Sozialwerk“. Fast 17.000 deutsche Sportler profitierten bis zu seinem Abgang als Sporthilfe-Chef von seinem Wirken. Der frühere Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Willi Daume, nannte Neckermann einen „absoluten Glücksfall“ für den deutschen Sport.

Es gab aber immer wieder auch Kritik an Neckermann. Dem Sohn eines Kohlehändlers wurde vorgeworfen, sein Unternehmen auf der Grundlage von Firmen aufgebaut zu haben, die zuvor jüdischen Kaufleuten gehört hatten und in der Zeit des Nationalsozialismus zwangsweise „arisiert“ wurden. Neckermann wickelte unter anderem Großaufträge für Hitlers Wehrmacht ab - ein Vorwurf, der ihn zeitlebens verfolgte.

Auch im Netzwerk des westdeutschen Sports war Neckermann nicht unumstritten, weil er seinen zweifellos großen Einfluss in der Sporthilfefunktion auch in den Führungsgremien von DSB und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) geltend machte. Ohne ihn und sein Plazet lief in diesen Kreisen fast nichts. Häufig hieß es in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise, Neckermann betreibe die Sportpolitik zu sehr auf eigene Rechnung. Die aber hatte in aller Regel nur ein Begehr: die Sporthilfe.

Als langjähriger Top-Athlet, der erst 1981 im Alter von 69 Jahren aus dem Sattel stieg, wusste er um die finanziellen Nöte von Sportlern, die eines dringend brauchten, um erfolgreich sein zu können: Bares. Im Sinne des Sports war Josef Neckermann einer der maßgeblichen Brückenbauer zwischen Sport und Wirtschaft.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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