Discounter Aldi verkauft ab Montag „Günther-Jauch-Wein“

Der beliebte TV-Fernsehmoderator und der größte Weinhändler Deutschlands kooperieren. Doch bei Aldi ist Jauch nicht der einzige prominente Weinmacher.
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„Netterer Teil der Menschheit beschäftigt sich mit Wein“

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Düsseldorf„Welcher bekannte Fernsehmoderator verkauft seine Weine bei Aldi?“ Auf diese Quiz-Frage gibt es jetzt folgende richtige Antwort: Günther Jauch. Denn von Montag an stehen in den Regalen von Aldi Süd und Aldi Nord Flaschen mit dem Namen des 61-Jährigen.

„Günther Jauch weiss“ und „Günther Jauch rot“ steht auf den signierten Etiketten – zusammen mit dem unteren Teil der Skizze einer Personen, die auf einem Hochstuhl sitzt. Das soll wohl den Quizmaster aus der RTL-Sendung „Wer wird Millionär“ symbolisieren.

Doch mit seinem eigenen Weingut von Othegraven hat der Aldi-Wein nichts zu tun. Vielmehr gibt Jauch vor allem seinen prominenten Namen: Vor einem Jahr hatte Aldi Süd bei Jauch nach Kooperationsmöglichkeiten angefragt. Zusammen mit seinem Önologen Andreas Barth, mit dem er auf dem Weingut von Othegraven zusammenarbeitet, wählte er Trauben aus verschiedenen Regionen aus.

Die meisten Details zu den Tropfen bleiben ein Geheimnis. Beide Weine sollen nach Angaben des TV-Journalisten die Vielfalt der Regionen und Trauben in Deutschland präsentieren. Klar ist lediglich: Beim Weißwein dominiert die in Deutschland führende Riesling-Traube, beim Roten der Spätburgunder, die rote Traube mit der größten Anbaufläche hierzulande. Die Großkellerei Mertes, eine der größten in Deutschland mit Sitz an der Mosel, füllt die Flaschen ab.

Aldi ist mit Abstand der führende Weinhändler Deutschlands

„Mir tut es in der Sache weh, wenn Kunden beim Einkauf automatisch zu ausländischen Weinen greifen“, erläutert Jauch die Motivation für sein Engagement. Verkauft werden die Weine für jeweils 5,99 Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zu den Preisen der Weine von seinem Gut von Othegraven, die von zehn Euro bis über 30 Euro kosten.

Die Jauch-Weine gibt es in rot und weiß. Auf dem Etikett steht der Name des Moderators samt Unterschrift. Die Person auf einem Barhocker soll den Moderater aus der Sendung „Wer wird Millionär?“ symbolisieren.
Die Günther-Jauch-Weine

Die Jauch-Weine gibt es in rot und weiß. Auf dem Etikett steht der Name des Moderators samt Unterschrift. Die Person auf einem Barhocker soll den Moderater aus der Sendung „Wer wird Millionär?“ symbolisieren.

Sein Saar-Gut kaufte Jauch vor acht Jahren aus Familienbesitz. Im Gegensatz zu manch anderem Prominenten, für den der Besitz eines Weingutes zum guten Ton gehört, setzt er damit eine Tradition fort. Seit 1805 befindet sich das Gut im Besitz der Familie, Jauchs Großmutter war eine geborene von Othegraven. Er und seine Frau Thea führen das Weingut am Rand der kleinen Stadt Kanzem, am Fluss Saar gelegen, inzwischen in der siebten Generation. Die Region dort ist Riesling-Land.

Bei Aldi zählt der „Günther-Jauch Wein“ mit 5,99 Euro zum mittleren Preissegment. Schließlich beträgt der Durchschnittspreis für Wein im gesamten Lebensmitteleinzelhandel laut aktuellen Zahlen des Deutschen Weininstituts lediglich 2,92 Euro pro Liter.

Sein Engagement dürfte sich für den TV-Moderator, der bei Umfragen zu den beliebtesten Deutschen zählt, lohnen. Die finanziellen Details der Kooperation bleiben zwar im Geheimen. Aber Aldi ist mit Abstand der führende Weinhändler Deutschlands. Knapp jede vierte Flasche, die von Weintrinkern gekauft wird, geht bei Aldi (Süd und Nord) über die Ladentheke.

Anteil der deutschen Weine am Gesamtsortiment steigt

Und die Marktmacht der Discounter wächst. Den Zahlen des Deutschen Weininstituts zufolge stammt mittlerweile die Hälfte aller Flaschen, die im vergangenen Jahr hierzulande über den Ladentisch gingen, aus den Regalen von Aldi, Lidl und Co. – ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber 2016.

„Aldi konnte sich wohl bei der Menge als auch bei Qualität der verkauften Weine steigern“, meint Ernst Bücher, Sprecher des Deutschen Weininstituts, der zentralen Marketingorganisation für heimische Weine.

Bei den genauen Verkaufszahlen hüllt sich der Discounter zwar stets in Schweigen. Doch allein Aldi Süd verkauft mehr als 170 Millionen Flaschen Wein jährlich, wie sich das Unternehmen noch vor einem Jahr entlocken ließ.

Neben einem Standardsortiment von rund 100 Weinen, zu denen von Montag an auch die „Jauch-Weine“ zählen, umfasst das Aktionssortiment weitere 200 unterschiedliche Weine. Die Preisspanne reicht von 1,59 Euro bis rund 15 Euro. Dabei steigt seit einigen Jahren der Anteil der deutschen Weine am Gesamtsortiment.

Jauch steigt zwar zum Winzer mit dem höchsten Promifaktor auf, der Weine unter seinem Namen bei Aldi verkauft. Aber er ist dort nicht der einzige prominente Weinmacher. Neben den Weingütern S.A. Prüm von der Mosel und Johannes Leitz aus dem Rheingau verkauft der badische Winzer Fritz Keller seit mehr als elf Jahren eine jährliche Kollektion verschiedener Weine unter seinem Namen.

„Demokratisierung des Luxus“

Es ist im Vergleich zu den Jauch-Weinen ein völlig anderes Projekt. Keller, auch Präsident des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg, arbeitet dabei mit mehr als 430 Winzern aus der badischen Weinregion zusammen.

Allein 40 Personen kontrollieren die Qualitätskriterien der Weinherstellung. „Die Trauben werden per Hand gelesen, was für solch ein Projekt meines Wissens einzigartig ist“, meint Keller. Über die Größe der gesamten Anbaufläche schweigen sowohl Aldi Süd als auch Keller. Experten vermuten ein Gebiet von insgesamt mehr als 100 Hektar – eine Fläche, über die nur die größten Weingüter in Deutschland verfügen.

Wie sehr der Discounter Wert auf die Qualität seiner Weine legt, zeigt sich an der Person Markus del Monego. Der bislang einzige deutsche Sommelier-Weltmeister entscheidet, ob ein Wein den Weg in die Aldi-Regale findet. Der anerkannte Experte muss mindestens 18 von maximal 20 Punkten vergeben, damit dieser Wein überhaupt beim Discounter verkauft werden darf.

„Mich freuen die qualitativen Daumenschrauben des Discounters“, sagt auch Günther Jauch. Für ihn bedeuten die strengen Vorgaben, gepaart mit günstigen Preisen, eine „Demokratisierung des Luxus“.

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