Jürgens Weinlese
Ab heute bin ich Winzer!

Handelsblatt-Online-Weinliebhaber Jürgen Röder will seinen ersten Wein herstellen. Keine einfache Aufgabe, schließlich ist seine Methode nach dem deutschen Weinrecht nicht zulässig.
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Darf ich mich bald Winzer nennen? Denn in wenigen Monaten kann ich (hoffentlich) meinen ersten selbst hergestellten Wein trinken. Es wird sogar ein Biowein. Und ich brauche dafür weder eine Anbaufläche für die Trauben noch eine Kellerei mit Stahltanks oder Holzfässern und auch keine Abfüllanlage.

Denn ich habe vom Bio-Weingut Gustavshof in Rheinhessen ein Paket „My own organic“ gekauft. Darin ist eine Flasche hochwertiger Traubensaft mit jeweils einem Paket Biohefe und Schwefel. Mit der Hefe starte ich den Gärungsprozess, mit dem Schwefel stoppe ich diesen wieder.
Das Ergebnis darf strenggenommen nicht Wein heißen, denn nach dem deutschen Weinrecht ist es verboten, aus Traubensaft Wein zu erzeugen. Dieses ist nur aus Most erlaubt. Most wiederum darf aber in Deutschland nicht an Endverbraucher verkauft werden. Eine komplizierte Angelegenheit.

Winzer Andreas Roll vom Gustavshof nennt sein Produkt, das einem echten Biowein sehr nahe kommen soll, aus rein rechtlichen Gründen „Gustel“. Doch ich möchte keinen Gustel herstellen und schon gar nicht trinken. Deswegen trinke ich auf das Weinrecht und bleibe bei der Herstellung eines Weines.

Meine Kollegen haben schon über den Namen gewitzelt: „Röders Roter“, lautete ein Vorschlag . Doch es wird kein Rot-, sondern ein Weißwein, eine Cuvee aus Johanniter und Müller-Thurgau, hierzulande eher bekannt als Rivaner. Weil die Traube Müller-Thurgau in Deutschland so ein schlechtes Image hat, wurde sie einfach umbenannt. Ganz nebenbei: Bei einer Verkostung habe ich es selbst erlebt, wie jemand einen Schluck Rivaner nahm und sich freute: „Schmeckt viel besser als ein Müller-Thurgau“.

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