Jürgens Weinlese
„Aldi möchte natürlich die Preisführerschaft“

Top-Winzer Fritz Keller verkauft seit sieben Jahren Weine unter seinem Namen bei Aldi. Im Handelsblatt-Interview verrät er Details über die Größe des Mammutprojekts und wie er mit dem Preisdruck des Discounters umgeht.
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Fritz Keller ist  einer der einflussreichsten deutschen Winzer und Weinhändler Deutschlands. In seinem Sternerestaurant  „Schwarzer Adler“ in Oberbergen am Kaiserstuhl hat die Weinkarte mehr als 2000 verschiedene Weine, unter anderem auch eine der besten Bordeaux-Angebote in Deutschland. Seit sieben Jahren verkauft er aber auch Weine unter dem Namen Edition Fritz Keller an Aldi, mit einem Marktanteil von 22 Prozent der großte Weinhändler in Deutschland. Wie passt das zusammen? Top-Winzer mit teuren Tropfen und gleichzeitig mit seinem Namen Wein beim Discounter verkaufen?

Das Interview kam telefonisch zustande. Und es war ein besonderes. Denn Fritz Keller ist auch noch Präsident des Fußballclubs SC Freiburg. Und der war wenige Tag vor dem Interview aus der ersten Bundesliga abgestiegen.

Hallo Herr Keller, wie sind sie eigentlich als Spitzenwinzer auf die Idee gekommen, ausgerechnet beim Discounter Aldi Wein zu verkaufen?
Aldi hatte angefragt, ob ich Weine von meinem Weingut Franz Keller in ihren Filialen verkaufen könnte. Das konnte ich nicht, meine Weinguts-Weine sind meist schnell ausverkauft, wir konnten zwischenzeitlich keine Neukunden mehr aufnehmen. Zudem wollte ich durch den Verkauf bei Aldi auch meine Marke nicht beschädigen. 

Kaufen sie dann einfach die Trauben zu?
Nein, ich kaufe keine Trauben zu, wie es die meisten anderen machen. Aus der Anfrage von Aldi ist ein Gemeinschaftsprojekt mit vielen anderen Winzern entstanden.

Wieviel Winzer arbeiten denn mit?
Insgesamt 435 aus der badischen Weinregion. Die Winzer sind per Vertrag verpflichtet, die Trauben nach bestimmten Vorgaben anzubauen. Unsere Flächen für die Aldi-Weine sind von uns vorher begutachtet, anschließend werden die Arbeiten im Weinberg und die Einhaltung unserer hohen Qualitätskriterien streng von rund 40 Personen kontrolliert. Die Rebstöcke müssen ein bestimmtes Alter haben, die Erntemenge liegt deutlich unter dem, was der Gesetzgeber zulässt, wodurch wir unter anderem wertvolle alte Rebflächen wie Terrassen- und Steillagen erhalten konnten. Die Trauben werden per Hand gelesen, was für solch ein Projekt meines Wissens einzigartig ist.

Was ist für sie der Vorteil der teureren Handlese, anstatt preisgünstiger mit einer Maschine zu ernten?
Durch die Handlese bekommen wir bessere Trauben als Basis für gute trockene Weine, die wir damit erzeugen können. Die meisten Weine in dieser Kategorie werden süßer verkauft und sind dadurch besser zu verstehen. Unser Projekt ist immer noch einzigartig, obwohl es viele Nachahmer gibt. Viele versuchen es zu kopieren, weil es erfolgreich ist.

Wie groß sind denn die Flächen?
Die genaue Größe darf ich Ihnen nicht sagen. Aber die liegt in der Größenordnung eines großen Weinbaubetriebes.

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