Jürgens Weinlese
Auf der Suche nach dem aromatischen Achtprozenter

Dichter, schwerer, höher: Der Alkoholgehalt vieler Weine hat sich in der vergangenen Jahren gesteigert. Doch es gibt neue Ansätze für „Low Alcohol“-Weine. Denn die sind offenbar ein millionenschwerer Zukunftsmarkt.
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Der Alkoholgehalt von Weinen ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Ist der Klimawandel die Ursache? Oder sind es Weinkritiker wie Robert Parker, der entsprechende Weine besser bewertet? Die Frage kann man auch anders stellen: Muss ein solch hoher Alkohogehalt sein?

Für Jacques Héon, Mitgründer und Namensgeber der bundesweit präsenten Jacques Weindepots, ist das eindeutig. „Für Wein ist ein hoher Alkoholgehalt nicht notwendig“, bekräftigt er. Auch seiner Einschätzung nach haben sich in den vergangenen zehn Jahren die Alkoholwerte deutlich erhöht. „Früher hatte ein Grand Cru aus dem Bordeaux 12,5 Prozent Alkohol. Das ist heutzutage bereits ein leichter Wein“, erläutert der Franzose. „Jetzt haben diese Bordeaux-Weine 13,5 bis 14 Prozent“.

Zusammen mit Jan Jacques Plüss, Geschäftsführer von Vinidee, einer Fachagentur für Weinimporte in Neuss, wirbt er für trockene Weine mit neun Prozent Alkohol. Weniger als sieben Prozent geht nicht, denn erst ab dieser Höhe darf man rechtlich ein Getränk aus Trauben überhaupt in Deutschland auch Wein nennen. In anderen Ländern sind die Bedingungen ähnlich.

Nach Meinung Jacques Héon, Jan Jacques Plüss und Michael. W. Pleitgen, Experte für Weinmarketing, treffen die „Low Alcohol“-Weine den Geschmack der Konsumenten. „Voraussetzung dafür ist, dass diese Weine länder- und sortentypisch sowie trocken ausgebaut werden“, meint Héon. Gemeint sind nicht die großen Weine, sondern eher einfache Landweine als ideale Essensbegleiter. Und diese Weine müssen eine ansprechende Aromatik bieten.

Dabei sind Weine mit weniger Alkohol in den Regalen der Supermärkte oder des Fachhandels nicht einfach zu finden. Denn laut Weinrecht muss zwar auf den Etiketten der Alkoholgehalt stehen, Zusätze wie „leicht“ oder „bekömmlich“ sind aber verboten.

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