Jürgens Weinlese
Bietergefechte um alte Flaschen

Wer seinen mit Raritäten bestückten Weinkeller auflösen will, kann die teuren Tropfen auch über eine Auktion verkaufen. Was Liebhaber dabei beachten sollten und welche Weine bei den Versteigerungen gefragt sind.
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Was passiert mit den rund 600 Flaschen Wein in meinem Keller, wenn ich aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol mehr trinken darf? Ich hoffe zwar, dass ich mir diese Frage niemals stellen muss, aber im Gegensatz zu meinen teuren Rotweinen werde ich im Alter garantiert nicht „besser“.

Was mache ich also mit meiner relativ kleinen Sammlung von Bordeaux-Weinen, wenn die Preise weiter so steigen und die einzelne Flasche mehr als 100 Euro kosten sollte? Aufmachen und trinken? Oder liegenlassen und weiter stolz auf meine Schnäppchen sein? Oder besser gleich verkaufen und für das Geld neue Bordeaux-Weine erwerben? Und zu guter Letzt: Was machen wohl die Erben meiner Wein-Sammlung, wenn ich das Zeitliche gesegnet habe? 

Füllstände und Flaschenzustände

Abkürzungen und Erklärungen
( mit der Maus über die Grafik fahren und anklicken)

Füllstände und Flaschenzustände
highfill/
Korkvoll

Abfüllniveau: Das normale Füllniveau junger Weine. Bei Weinen über 10 Jahre ausgezeichnetes Signal für guten Kork und Lagerung

into neck/
Flaschenhalsniveau

Perfekt für Weine jeden Alters. Bei Weinen über 10 Jahre sogar ausgezeichnet und vielversprechend für den qualitativen Inhalt der Flasche.

top-shoulder/
Hochschulterniveau

Normal für Weine, die 15 Jahre oder älter sind. Normales Füllnivau, das gute Korken und korrekte Lagerung signalisiert.

high-shoulder/
Oberes Schulterniveau

Natürlicher Schwund, normalerweise völlig unbedenklich. Akzeptabel für Weine, die älter als20 Jahre sind. Außergewöhnlich für Weine, die älter als 50 Jahre sind.

mid-shoulder/
Mittleres
Schulterniveau

Meist ein Zeichen eines alternden Korkens, deshalb niedrigerer Schätzwert. Kalkulierbares Risiko. Nicht ungewöhnlich für 30 bis 40 Jahre alte Weine.

lower-mid-shoulder/
Niedriges bis mittleres Niveau

Risiko noch vertretbar. Steigendes Risiko und Oxydationsgefahr, Wein ziemlich am Ende. Nur akzeptabel bei außergewöhnlich seltenen oder gesuchten Weinen. Niedrigerer Schätzwert.

low-shoulder

Riskanter Kauf. Niedrigster Schätzwert.


Alkoholverbot im Alter, stark gestiegene Preise für Raritätenweine und die Frage: „Wohin mit der Erbschaft?“ – das sind die drei wichtigsten Gründe, warum Personen Sascha Dörfler anrufen. Der ist Geschäftsführer von Weincash, einer Wein-Auktionsplattform, bei der Privatpersonen ihre Tropfen anbieten können. Die Versteigerung per Internet hat Dörfler zusammen mit Stefan Gerner, Stefan Tarach und René Gabriel, einer der weltweit erfahrensten Bordeaux-Kenner, vor sechs Jahren gegründet. Im Rhythmus von rund sechs Wochen werden dort Weine versteigert. 

Das Prozedere: Verkäufer erstellen eine Liste ihrer Weine und erhalten danach vorab eine grobe Einschätzung, mit wie viel Geld sie für ihre Flaschen rechnen können. „Wir fragen telefonisch nach, wie die Weine gelagert wurden, wie ihr (Füll)-Zustand ist oder ob beispielweise die Etiketten beschädigt sind“, erläutert Dörfler. Der Füllzustand ist entscheidend für den Weiterverkauf. (siehe Grafik)

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Bei teuren Bordeaux-Weinen wie Château Petrus gibt es viele Fälschungen auf dem Markt, die nicht so einfach zu erkennen sind. „Schließlich haften wir für die Lieferung", gibt der Weinkenner zu bedenken.

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