Jürgens Weinlese
Das Ende des Billigweins?

Jahrelang galt Deutschland als das Land für preiswerte Weine. Doch diese Zeiten sind wohl vorbei – auch weil die entscheidenden Player die Branche nachhaltig verändern. Wer profitiert und wer nicht.
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Wer bei Rewe oder Edeka eine Flasche Wein kaufen will, erlebt meistens eine positive Überraschung. Der Bereich mit edlen Tropfen nimmt im Vergleich zu Vorjahren einen großen Raum ein, oft genauso umfangreich oder manchmal besser als beim Fachhändler.

„Der klassische Lebensmitteleinzelhandel, namentlich Rewe und Edeka, hat sein Sortiment an regionalen und höherwertigen Weinen ausgebaut“, meint auch Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts, der Marketingorganisation für heimische Weine.

Als eine Folge ist der Durchschnittspreis im gesamten Lebensmittelhandel inklusive Discounter und SB-Warenhäuser seit 2010 von 2,52 Euro auf 2,89 Euro pro Liter gestiegen . Die deutschen Winzer dürfen sich noch mehr freuen: Konsumenten zahlten im vergangenen Jahr im Durchschnitt 3,11 Euro im Lebensmittelhandel und sogar 6,24 Euro pro Liter im Fachhandel für heimische Tropfen.

Nach Erfahrung von Michael W. Pleitgen, Experte für Weinmarketing, sind dafür die Umsätze im Niedrigpreissegment weggebrochen. „Leute, die aufs Geld schauen, kaufen einfach keinen Wein mehr, wenn die Preise steigen. Sie trinken etwas anderes“, erläutert er. „Und die werden auch so schnell nicht wiederkommen“.

Den Trend zu höheren Preisen bestätigt auch eine aktuelle Erhebung von Wine Intelligence, einer britischen Beratungsfirma. Im rückblickenden Jahresvergleich bis 2006 seien deutsche Weintrinker noch niemals so bereit gewesen, deutlich mehr für Wein zu zahlen. Diese bislang unveröffentlichte Studie wird am kommenden Montag (16.3) auf der Fachmesse Prowein vorgestellt.

Ein Grund für die höheren Preise: Die großen Player verabschieden sich von ihrem Image, nur Billigweine anzubieten. Der Machtfaktor auf dem Markt ist der Lebensmittelhandel, unterteilt in Discounter, Einzelhandel (bis 5000 Quadratmeter) und die großen SB-Warenhäuser. Wer in Deutschland Wein in großen Mengen verkaufen will, der kommt am Lebensmittelhandel nicht vorbei.

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  • Was das Layout der Kommentarspalte anbelangt, stimme ich Herrn Isenberg zu! Man findet in der Praxis sonst kaum ein Kommentarfeld, bei dem aus den von Herrn Isenberg angesprochenen Gründen keine Vorschau möglich ist. Auch ich rege dringend an, das zu modifizieren. Danke!

  • Die drei Haushalte meines familiären Umfeldes, aber auch unsere Firmenkantine gehörten lange Zeit zu denen, die gerne selektiv auch bei Discountern Wein einkauften. Seit einiger Zeit hat sich das geändert, nachdem man dort offenbar die Preispolitik geändert hat. Wir empfinden die Preise der von den Discountern angebotenen Weine mit wenigen Ausnahmen keineswegs mehr als günstig. Ein Rotwein aus Italien, Spanien oder Frankreich des "jungen" Jahrgangs 2013 oder gar 2014 darf eben keine 3,99 EUR oder gar mehr kosten. Die erwähnten Länder kennen wir seit Jahren durch verwandschaftliche Beziehungen und zahlreiche Reisen. Uns ist nicht entgangen, dass in den vergangenen 10 bis 12 Jahre die dortige Wirtschaft durch permanente Lohn- und damit Preissteigerungen geprägt war, denen aber für den Käufer keine zusätzliche Wertschöpfung entgegen steht. Diese Raffgier bei gleichbleibender Bequemlichkeit (wir wissen, wovon wir sprechen) hat sich natürlich auch auf die Weinpreise ausgewirkt. Gleichzeitig werden ehedem unbekannte und mittelmäßige Weine zu "Kultweinen" promotet. Ein Beispiel ist der spanische "Rueda", der dem geforderten Preis aber nicht gerecht wird. Wenn es nicht der Handel ist, dann scheinen auch die deutschen und österreichischen Winzer ein wenig schneller wohlhabend werden zu wollen. - Grundsätzlich ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass die Discounter AUCH "hochwertigere" Weine anbieten. Diese haben aber inzwischen ein [von uns abgelehntes] Preisniveau erreicht, zu dem man nicht mehr zum Discounter gehen muss. Dort erwartet der Verbraucher eben AUCH und vielleicht in erster Linie "preisgünstige" Weine. Im Gegensatz zu früher findet man diese mittlerweile auch bei Aktionen (etwa von ALDI und LIDL) nicht mehr. Die Discounter sind dabei, mit ihrer nur noch wenig einnehmenden Preispolitik beim Wein eine nicht kleine Käuferschicht auf Dauer zu vergraulen. Aus genau dem Grunde haben die Discounter jedenfalls bei uns mächtig an Symphatie verloren.

  • Möchte das HB bitten, die Kommentarspalte zu ändern, so wie sie vor dem Remake der online Ausgabe war: man konnte den Text kontrollieren, was hier bei dieser 1-Spaltentechnik unmöglich ist und sich haufenweise Fehler einschleucchen. Technscher Fortschritt dient manchmal dazu das leben deutlich schwerer zu machen. weil für die meisten Entwickler von technik der Fortschritt nur zeitlicher Fortschritt zum nächsten Gehaltstermin bedeutet.

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