Jürgens Weinlese
„Das ist der nächste Technologieschub“

Fast wöchentlich eröffnet ein neues Weinportal. Und wie reagiert Marktführer Hawesko auf diese Herausforderung? Geschäftsführer Nikolas von Haugwitz über die Zukunft des Weinhandels und warum er auf das Fernsehen setzt.
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Das Hanseatische Wein & Sekt Kontor, die Versandhandelssparte der börsennotierten Hawesko AG, ist Deutschlands Nummer Eins im Versand hochwertiger Weine, Champagner und Spirituosen. Mit rund 235 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen 2013 einen Umsatz von mehr als 90 Millionen Euro. Täglich verlassen circa 2.500 Lieferungen das Warenlager in Tornesch bei Hamburg. Seit 2003 ist Nikolas von Haugwitz Geschäftsführer dieser Sparte. In der gleichen Funktion baut der in Kenia geborene 45-Jährige auch "The Wine Company" auf, ein Portal in Schweden, das Wein per Internet, Telefon und Katalog verkauft.

Die Hawesko AG plant Zukäufe in zweistelliger Millionenhöhe. Welche Bereiche stehen denn bei Ihnen im Fokus?
Ich kann nur für das Hanseatische Wein- und Sektkontor sprechen, also für den Versandhandel der Hawesko AG. Unser Fokus liegt auf dem Thema E-Commerce und dementsprechend auf Unternehmen, die Technologien anwenden, über die wir noch nicht verfügen. Damit wollen wir unser Portfolio und unsere Zielgruppenansprache erweitern. Das ist unser größtes Interesse.

Spielt die Höhe des Umsatzes dabei keine Rolle? Vor drei Jahren hat Hawesko noch den Weinhändler Wein & Vinos mit einen Umsatz von 17 Millionen Euro erworben.
Die Höhe des Umsatzes ist natürlich interessant. Interessanter ist es aber, Geschäftsmodelle auf dem Markt zu finden, die Erträge erwirtschaften und über entsprechende Technologien verfügen, damit wir mit dem rasant wachsenden technologischen Fortschritt mithalten können.

Macht Ihnen die wachsende Zahl an ständig neuen Online-Portalen, manche ausgestattet mit Investorengeldern in Millionenhöhe, nicht zu schaffen?
Zurzeit eröffnet fast wöchentlich ein neues Weinportal, teilweise mit innovativen und technologisch guten Ideen. Doch einfach nur eine technologische Neuigkeit auf den Markt zu bringen, ist noch kein nachhaltiges Geschäftsmodell.  Ich frage mich oft: Was ist deren Geschäftsmodell? Die Technologie? Oder noch der Weinhandel? Das ist nachher die Gretchenfrage. Die Zeit wird zeigen, wie innovativ diese Idee wirklich ist. Meiner Meinung nach wird es mittelfristig eine Konsolidierung geben. Unser Fokus liegt daher auf nachhaltigen Geschäftsmodellen.

Das Hanseatische Sekt- und Weinkontor hat seinen Ursprung als Katalog-Versandhandel. Wie hoch ist denn mittlerweile der Anteil des Online-Handels?
Der liegt nur für das Kontor bei ca. 30 Prozent. Bezieht man unsere angeschlossenen Unternehmen wie Wein & Vinos, Spezialist für spanische Weine, dem Video-Weinblog Tvino und unseren Online-Outlet Weinlet ein, liegen wir bei knapp 45 Prozent. Wir sind also mittendrin in der Wandlung von einem Katalog-Versender zu einem E-Commerce-Unternehmen. Ich bezeichne uns als das älteste Start-up in der Weinbranche, weil wir uns ständig verändern. Das sieht man auch an unserem  aktuellen Projekt Smart TV.

Was ist denn Smart TV?
Eine App, über die man per Fernsehen Wein bestellen kann. Das Thema Internet und Fernsehen wächst zusammen; die Zahl derer, die über das Fernsehen ins Internet gehen, steigt. Da wollen wir mitmachen. Alle Samsung-Fernseher, die gekauft werden, verfügen beispielsweise über eine Hawesko-App. Wir wollen dabei sein, um zu lernen.

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