Jürgens Weinlese
Das neue Amazon des Weinhandels?

Handelsblatt-Online-Weinliebhaber Jürgen Röder ist nun „Vorkoster“. Er folgt damit einer Marketing-Idee eines neu gegründeten Onlinehändlers. Das Start-Up-Unternehmen hat große Ambitionen.
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Ich bin jetzt ein „Vorkoster„. Alle paar Wochen bietet mir der Onlinehändler Vicampo ein Paket an, ohne dass ich genau weiß, welche Weine im Karton enthalten sind. Ich kenne nur das Thema - beispielsweise: Trockene Rieslinge von Insiderweingütern - und dass die Weine von deutschen Winzern stammen. Vorkoster deswegen, weil ich die Weine anschließend bewerten soll; damit andere Kunden besser auswählen können.

Eine gute Idee von Vicampo, die mir gefällt. Und ich bin offenbar nicht der einzige. „Die Resonanz auf die Vorkoster-Pakete ist enorm, dafür wollen wir eine neue Stelle einrichten“, berichtet Max Gärtner. Er hat zusammen mit seinem Bruder Felix und Daniel Nitz 2012 das Unternehmen neu gegründet. Das Startup hat mittlerweile 22 Mitarbeiter und vertreibt mehr als 2500 Weine von knapp 200 Weingütern auf seiner Online-Plattform. „Mehr als die Hälfte der Mitglieder im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) verkaufen auch über Vicampo“, betont Max Gärtner.   

Und das Start-Up hat große Ambitionen. „Wir wollen eine Art Amazon des Weinhandels werden“, sagt Gärtner. Bislang verkauft Vicampo ausschließlich deutsche Weine, doch die Internationalisierung ist geplant. Ab Oktober will das Unternehmen auch ausländische Weine vertreiben.

Die Idee hinter Vicampo: Das Unternehmen bietet Winzern den Verkauf über eine professionelle Online-Plattform an. Dieser Verkaufskanal ist besonders für kleine Winzer attraktiv, da sich für diese eine alleinige Online-Plattform zeitlich und auch finanziell nicht lohnt. Vicampo bietet ihnen Expertenwissen wie Online-Marketing, Suchmaschinenoptimierung oder rechtliche Fragen. „Einzelne Winzer können das nicht stemmen“, sagt Gärtner. Vicampo benötige keine externen Dienstleister und mache alles „inhouse“. Auch die Shop-Software wurde selbst programmiert.

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Das neue Amazon des Weinhandels?

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Das erste Vorkoster-Paket ist angekommen

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  • Teil 2) Wie oft zahlt der Kunde Versandkosten oder werden diese in den Weinpreisen versteckt? Wann muss der Kunde spätestens einkaufen, wenn er in 2, 4 oder 7 Tagen Gäste hat? Wie kompliziert (und teuer) stelle man sich das Retourenmanagement bei einer Zahl von 200+ Lieferanten vor?
    Wie will Vicampo Geld verdienen, wenn die Weine zu "ab Hof"-Preisen vom Winzer versandt werden und wenn ihnen die preiswerten Werksstudenten oder gar die Investoren ausgehen? Und legen die Winzer nicht schlauerweise ein Bestellformular in die Pakete, weil sie darüber eine Kundenbindung aufbauen wollen und auch müssen und weil sie keine Lust haben, jedes Mal die sicherlich nicht kleinen (nötigen) Provisionen zu zahlen? Ich halte sehr viel von Artikeln, die dem Leser helfen, Hintergründe und Geschäfts-modelle zu verstehen - und ich sehe Qualitätsjournalismus immer noch so, dass insbesondere solch "markige Aussagen" kritisch hinterfragt werden oder zumindest positiv wie negativ beleuchtet werden - im Raum stehen lassen kann man dies in keinem Fall. Das, lieber Herr Röder, kommt in Ihrem Bericht nicht vor und daher ist der Eindruck durchaus möglich, dass es sich hier um recht durchschaubare PR handelt. Aber aus welchem Grund? Für ein paar Weinpakete werden Sie das sicher nicht tun. Ich freue mich schon auf einen ähnlichen Artikel über Wine in Black, dazu fiele mir als Replik mindestens genau soviel ein ... ;) Wenn ich Sie richtig einschätze, dann stellen Sie den Brief als Kommentar online, und ich freue mich auf eine anschließende konstruktive Diskussion.

    Herzlichen Gruß
    Lutz Heimrich

    SUPERIORE.DE GMBH | Koehlerstr. 22 | D-01640 Coswig

  • Hallo lieber Herr Röder, ich lese ja immer gerne, was Sie so berichten. Heute habe ich allerdings das Bedürfnis, Ihnen ein wenig hoffentlich konstruktive Kritik zukommen zu lassen (sic! obwohl ich Weinversender bin, traue ich mich das unter meinem Namen ;)Ich kenne keine Branche, in der seit einigen Jahren so dick aufgetragen wird, wie die Sparte eCommerce im Weinhandel. Nun besprechen Sie hier ein Konzept, was von ehemaligen Wine in Black-Mitstreitern auf die Beine gestellt wurde. In diesen Kreisen fließen ja Unsummen von Investorengeldern und da ist das dann sicher normal, dass markige Aussagen getroffen werden (müssen), um eben jene bei Laune zu halten.Zur Sache: Wie kann sich ein sogenanntes Startup als "neuer Amazon des Weinhandels" bezeichnen? Als mein Beispiel nur ein Grund von vielen für den Erfolg von Amazon: sofortige Lieferfähigkeit des Gesamtsortiments. Wie kann ein Anbieter, der nahezu alle Weine durch die Winzer versenden lässt, diesen Service jemals bieten? Wieviele Pakete bekomme ich von welchen Winzern, sollte ich einmal wild durch das angeblich 2000 Weine starke Sortiment einkaufen? Wie viele Winzer haben von Logistik keine Ahnung bzw. sind gerade im Weinberg oder der Logistik-Praktikant ist krank oder im Urlaub? Dann noch die Internationalisierung: Werden dann die Weine aus Italien, Kroatien oder Portugal kommen? Oder nur die einschlägigen Weine der immergleichen Importeure und Fachgroßhändler, die dringend ein neues Geschäftsmodell brauchen, weil sie zu 90% auch nicht online sind und ihre Gastrokundschaft entweder gerade zu macht oder ebenfalls online - sortiert ab einer Flasche - einkauft? Und was ist mit den CO² Emissionen? Und mit der Kaufreue (ergo: Retourenquote), wenn der Kunde 2 Wochen auf seine Bestellung wartet? Wie oft zahlt der Kunde Versandkosten oder werden diese in den Weinpreisen versteckt? Wann muss der Kunde spätestens einkaufen, wenn er in 2, 4 oder 7 Tagen Gäste hat? Wie kompliziert (und teuer)

  • ich verstehe nicht, ist das ihr Verständniss für Journalismus? Ich sehe keine Distanz, die in diesem oder anderen Fällen angebracht ist. Kein Hinterfragen, nur Zustimmung... Erfüllungsjournalismus nennt man sowas.
    Prost - Mahlzeit.

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