Jürgens Weinlese
Der 75-jährige Revolutionär

Seit 1385 stellt die Familie Antinori Wein her. Im Handelsblatt-Online-Interview erläutert Piero Antinori, warum er für 100 Millionen Euro ein neues Weingut in der Toskana gebaut hat und wieso Top-Weine teurer werden.
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Marchese Piero Antinori gilt als Revolutionär: Als der Weinanbau in der Chianti-Region am Boden lag, hat er gegen die dort geltenden strengen Regeln neue Weine hergestellt. Sein als „Landwein“ deklarierter Tropfen namens Tignanello wurde schnell als „Super Toskaner“ berühmt und begehrt. Und Piero Antinori hat den Weinanbau wie kaum ein anderer internationalisiert. Neben fünfzehn Weingütern in Italien besitzt er weitere in Kalifornien und Washington State, Chile, Ungarn sowie Rumänien. Die Antinori-Gruppe, die seit 1385 Wein produziert, hat 2012 einen Umsatz von 150 Millionen Euro erzielt. Die Gesellschaft produziert mit rund 400 Mitarbeiten auf einer Fläche von 2540 Hektar jährlich 22,4 Millionen Flaschen weltweit. Der 75-Jährige hat sich vor anderthalb Jahren ein „Denkmal“ gesetzt: Mit dem Bau eines 100 Millionen Euro teuren, 50 000 Quadratmeter großen Weinguts zwischen Florenz und Siena, inklusive Museum, Ölivenöl-Kruglager, Auditorium, Ladengeschäft und Restaurant.   

Herr Antinori, was war der Hauptgrund für solch einen Bau?
Der Bau eines neuen Gebäudes für 100 Millionen Euro hört sich unvernünftig an, auch angesichts meines Alters und der schlechten wirtschaftlichen Lage in Italien, die während der Planung herrschte. Aber ich habe in meinem Leben oft das Gegenteil gemacht. Die Kellerei wurde auch teurer als wir geplant hatten. Der Bau hat sieben Jahre gedauert, es gab drei Architekten-Entwürfe, bis alles gepasst hat. Doch jetzt muss ich sagen: Ich bin mit unserem Neubau mehr als zufrieden.

Wird sich der Bau denn jemals rechnen?
Es ist langfristiges Investment für künftige Generationen. Die neue Kellerei bietet uns aber auch jetzt schon viele Vorteile, nicht nur in technologischer Hinsicht bei der Weinproduktion. Die basiert jetzt auf Schwerkraft und ermöglicht uns, bessere Weine herzustellen. Wir mussten investieren und konnten die alte Kellerei im Stadtzentrum verkaufen. Unsere Büros im Stadtzentrum von Florenz haben wir aufgelöst, alle arbeiten jetzt an einem Standort – ein erheblicher Produktivitätsvorteil. Zudem hat die italienische Regierung einen Zuschuss in Höhe von 20 Prozent gezahlt. Wir haben das Gebäude „designed für Kommunikation“. Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, wofür die toskanischen Weine und die Familie Antinori stehen.

Wie viele Besucher kommen denn?
In den ersten sechs Monaten kamen 30 000 Gäste. Dieses Jahr rechnen wir mit 70 000 bis 100 000 Besuchern. Nicht zu vergessen: Im nächsten Jahr findet die Expo in Mailand statt. Dadurch dürfte die Zahl der Besucher nochmals steigen.

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