Jürgens Weinlese
Der Jauch-Faktor

Was passiert mit einer Region, wenn ein Prominenter wie Fernsehmoderator Günther Jauch ein Weingut kauft? Ein Rückblick meines Besuchs der Weinregion Saar, in der einzigartige Rieslinge entstehen.
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DüsseldorfGünther Jauch hat erst vor einigen Jahren mit dem Weintrinken begonnen, hat aber dennoch 2010 das Weingut von Othegraven gekauft. Wieder ein Promi, für den der Besitz eines Weingutes zum guten Ton gehört?
Nein, denn Jauch setzt damit eine Familientradition fort. Seit 1805 befindet sich das Gut im Besitz der Familie, Günther Jauchs Großmutter war eine geborene von Othegraven. Er und seine Frau Thea führen das Weingut am Rand der kleinen Stadt Kanzem inzwischen in der siebten Generation. Jauch hatte unter anderem den Zuschlag erhalten, weil er das Weingut als Ganzes erhalten will.

Und wie sehen die anderen Saar-Winzer das Engagement von Jauch? Sie freuen sich, weil dadurch die Bedeutung der Region insgesamt steigt. Für Ansgar Schmitz, Geschäftsführer des Moselwein-Vereins, der auch die rheinland-pfälzischen Saar-Weine vertritt, kurbelt Jauch an der Saar den Absatz seiner Winzerkollegen an. Es kommen Kunden, die dort vorher nie gesehen wurden. Zudem sei der „ein oder andere Autogrammjäger“ unterwegs. Der Einstieg von Jauch ins Weingeschäft mache Menschen auf ein Gebiet aufmerksam, das sie vorher nicht kannten, sagte Schmitz.

Die Saar ist, ähnlich wie die angrenzenden Regionen Mosel und Ruwer, Riesling-Land. Diese Traube ist die wichtigste Rebsorte der Region, keine andere Sorte erbringt in den Schiefersteillagen derart feine, mineralische und charakteristische Weine. Dabei ist die Saar kein eigenes Weinanbaugebiet, sondern ein Teilbereich des Anbaugebietes Mosel-Saar-Ruwer.

Herzstück des Weingutes von Othegraven ist der Kanzemer Altenberg, mit 250 Metern die längste zusammenhängende Steillage Europas. Dort wachsen die Reben in einer Neigung von bis zu 65 Prozent. Jauch vergleicht den Altenberg mit dem Matterhorn.

Über einen Return seines Investments will der Fernsehmoderater nicht reden, gibt sich aber kämpferisch: „Ich will diesen Betrieb nach vorne bringen.“ Schließlich ist er sich der Abhängigkeit eines Weininvestments von der Natur bewusst. Ein Hagelschlag oder eine Frostnacht können das ganze Jahr kaputtmachen.

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