Jürgens Weinlese
Der Solidaritätstropfen

Udo Jürgens sang in den 70er-Jahren „Griechischer Wein, komm schenk ihn ein“. Für Weinliebhaber Jürgen Röder war dieser Wein damals kein Genuss. Doch in dem europäischen Krisenland hat sich nun vieles verändert.
  • 4

DüsseldorfAn meinen ersten Schluck griechischen Rotwein erinnere ich mich noch genau: Es war bei meiner Mutter, sonntags zum Mittagessen in der Familienrunde. Eine bittere Erfahrung für mich, auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch kein absoluter Weinfan war, und der Wein eigentlich nach dem genauen Gegenteil schmeckte: Einfach nur süß, hart an der Grenze zu Zuckerwasser. Es war ein halbtrockener Imiglykos, den meine Mutter mir stolz präsentierte. Und meine „Beziehung“ zu griechischem Wein sofort für eine längere Zeit beenden ließ.

Doch das hat sich mittlerweile geändert. Zum einen hat mir mein griechischer Freund Georgios einen exzellenten Wein aus seinem Heimatland mitgebracht, und zum anderen konnte ich mich während der Fachmesse Prowein 2013 in Düsseldorf, die größte Messe ihrer Art in Europa, von der Qualität griechischer Weine überzeugen.

Eigentlich ist das keine Überraschung: Es gibt auf Griechenland etwa 300 autochthone Rebsorten. Die meisten Namen habe ich noch nie gehört. 70.000 Hektar Rebflächen stehen zur Verfügung. Die Terroirs und Kleinklimata sind so vielfältig wie das ganze Land; an Sonnenstunden fehlt es ebenso wenig wie an einer jahrtausendealten Tradition. Und nach vielen Jahren, in denen Billig-Retsina und Rotwein-Verschnitte in großen Flaschen die Gastronomie in Hellas wie auch in ihren Ablegern im Ausland bestimmten, hat in den beiden vergangenen Jahrzehnten auch nach Meinung von Experten eine echte Qualitätsrevolution stattgefunden.

65 griechische Winzer waren auf der Prowein – so viele wie noch nie. Ein Ergebnis der Euro-Krise. Ähnlich wie in Spanien und Portugal können die Winzer ihre teuren Qualitätsweine seltener im Heimatland verkaufen und müssen verstärkt auf den Export setzen. Viele der kleineren Weingüter waren auch auf der Messe, um einen Großhändler im deutschsprachigen Raum zu finden.

Kommentare zu " Jürgens Weinlese: Der Solidaritätstropfen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Eine bittere Erfahrung für mich, auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch kein absoluter Weinfan war, und der Wein eigentlich nach dem genauen Gegenteil schmeckte: Einfach nur süß, hart an der Grenze zu Zuckerwasser. Es war ein halbtrockener Imiglykos, den meine Mutter mir stolz präsentierte."
    ------------------------
    Dumm gelaufen! :-)
    Das Zeug kennt man auch als "Pennerglück", weil's spottbillig ist. Kopfschmerzen am nächsten Tag sind garantiert, der Aspirinumsatz der Apotheke auch. Ich hab noch keinen griechischen Wein probiert, der mir wirklich geschmeckt hätte.
    Da trinke ich lieber einen einfachen, roten Landwein von irgendeinem kleinen Winzer aus der Ardèche oder eben einen deutschen Weißwein (Kerner und Sylvaner lieber als Riesling). Exzellente Weine haben auch die Südafrikaner, die Australier (sic!) und die Amis (Kalifornien).
    Wobei ich mich keinesfalls als Weinkenner bezeichnen möchte. Bei mir gibt's im Grunde nur 2 Kriterien: Schmeckt mir oder eben nicht!

  • Lumières.

    Le souffle
    d'une pensée,
    le son de la
    neige qui
    chante le matin,
    l'amour, la
    poésie, la tendre
    lumière d'une
    aube enchantée...

    Francesco Sinibaldi

  • Wollen wir hoffen, dass Sie das auch so machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%