Jürgens Weinlese
Die Allerweltstraube

Chardonnay wird überall in der Welt angebaut, fristet aber in Deutschland ein Nischendasein. Handelsblatt-Online-Weinliebhaber Jürgen Röder hat aber in heimischen Regionen exzellente Weißweine dieser Rebsorte entdeckt.
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DüsseldorfChardonnay ist eine der populärsten Rebsorten der Welt. In Frankreich, wo sie die einzig zugelassene Rebsorte des sortenrein ausgebauten Chablis ist. In Chile, Neuseeland, Australien, Argentinien und den USA beispielsweise wird die Rebsorte ebenfalls in großen Umfang angebaut. Auch in meinem Weinkeller liegen einige Flaschen Stimson vom Weingut Chateau Ste Michelle aus dem US-Bundesstaat Washington, wo recht fruchtbetonte Chardonnays erzeugt werden. Und Chardonnay-Flaschen vom Weingut Hess aus dem Napa Valley in Kalifornien.

Die Traube, die in vielen Champagner enthalten ist, wird meistens in Edelstahltanks ausgebaut, kann aber auch in Eichenholzfässern reifen. Doch Vorsicht: Als Holzfässer eigenen sich nur gute Qualitäten. Vor längerer Zeit hatte ich auch einen Chardonnay aus Südafrika für knapp drei Euro getrunken, der im Holzfass gereift war. Doch von leichten Vanille- und Röstaromen, die der Wein durch die Lagerung im Holz eigentlich bekommen sollte, war nichts zu schmecken. Der Tropfen schmeckte grauenvoll. Besser gesagt: Ein Biberwein, wie Weinkritiker Andreas März (Chefredakteur der Zeitschrift Merum), Weine mit zu viel Holzeinfluss bezeichnet.  

In Deutschland ist die Rebsorte unbeliebt – vor allem bei Weinkritikern - da sie überall in der Welt angebaut wird und somit für kein Land oder für eine Region steht. Nicht so wie der Riesling oder Spätburgunder,  die als die deutschen Trauben gelten oder der Lemberger oder Trollinger, die für die Region Württemberg stehen. Hierauf beruht das Schimpfwort „Chardo - nee!", welches aus meiner Sicht völlig zu Unrecht vergeben wird.

Denn es gibt auch in Deutschland exzellente Chardonnay-Weine. Davon konnte ich mich in den letzten Wochen überzeugen. Zum einen beim Besuch des Weinguts Dr. Heger in Ihringen am Kaiserstuhl in Baden. Und zum anderen bei einer Probe vom Weingut Karl Haidle aus Württemberg. Beides übrigens exzellente Weingüter, die zu recht zahlreiche Auszeichnungen erhalten haben. Das Problem: Gut gemachte Chardonnays aus Deutschland sind teuer.

Ich mag gerne fruchtbetonte Weißweine - und dieses Vergnügen boten mir sowohl der Ihringer Winklerberg Chardonnay 2011 vom Weingut Dr. Heger als auch der Chardonnay Passion 2010 vom Weingut Haidle.

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