Jürgens Weinlese
„Die kleinen Betriebe sterben aus“

Monika Reule, Chefin des Deutschen Weininstituts, über die Professionalisierung der Branche, über Investments von „Heuschrecken“ und warum es bald wieder neue Flächen für den Weinanbau in Deutschland geben wird.
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Monika Reule ist seit April 2007 Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI) in Mainz, die zentrale Organisation für deutsches Weinmarketing. Unter der Federführung der Agrarbiologin berät das DWI nicht nur die Weinwirtschaft bei dem Verkauf im Im- und Ausland, sondern fördert wissenschaftliche Forschungen und sammelt Daten. Die letzte Studie beschäftigte sich mit dem Strukturwandel in der Weinbranche.

Hallo Frau Reule, in Australien liefern sich zwei US-Finanzinvestoren einen Übernahmekampf und bieten jeweils mehr als zwei Milliarden Euro für einen Weinkonzern. Investieren auch sogenannte „Heuschrecken“ in deutsche Weingüter?
Ja, die gibt es. Doch das sind im Vergleich mit Australien nur verhältnismäßig kleine Investments. Die deutsche Weinindustrie ist mittelständisch geprägt. Das größte deutsche Weingut bewirtschaftet gerade einmal etwas über 200 Hektar, in Übersee sind dies oftmals mehrere Tausend Hektar. Es werden aber auch hierzulande immer öfter Weingüter von Investoren übernommen. Schließlich gewinnt der deutsche Wein zunehmend an Renommee, auch im Ausland. Da hoffen einige auf Wertsteigerungen in den nächsten Jahren.

Die Tendenz in Deutschland geht ja bereits in Richtung größere Weingüter…
Ja, wir erleben seit Jahrzehnten einen Strukturwandel in der Weinbranche. Noch Anfang der 80er Jahre hatten wir 90 000 Winzer, jetzt sind es nur noch 48 000. Lässt man die Zahl von winzigen Betrieben mit weniger als 0,5 Hektar außen vor, sind es nur noch 18.700. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der Weingüter mit mehr als fünf Hektar von 20 auf 32 Prozent gestiegen, während der Anteil der Betriebe mit weniger als einem Hektar von 43 auf 27 Prozent gesunken ist.

Wie bewerten Sie diese Tendenz?
Diesem Strukturwandel liegen in der Regel einzelbetriebswirtschaftliche Entscheidungen zugrunde. Der Trend zu mehr Größe wird sicherlich weitergehen. Er bringt aber auch eine wachsende Professionalisierung der Weinbranche mit sich.

Was für eine Mindestgröße benötigt ein Weingut denn zum Überleben?
Man kann nicht sagen, welche Größe notwendig ist. Das hängt von den jeweiligen betrieblichen Strukturen ab. Manchmal hilft die Familie mit, das senkt die Kosten. Und zum anderen hängt vieles von der Lage der Anbauflächen ab. Weingüter mit vielen arbeitsaufwendigen Steillagen sind in der Regel kleiner als solche, die ihre Flächen sehr rationell in der Ebene bewirtschaften können. Und natürlich spielt der Winzer als Marke eine Rolle, d.h. welche Fähigkeiten besitzt er, um seine Weine zu vermarkten.

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