Jürgens Weinlese
Die Sherry-Renaissance

Das spanische Unternehmen González Byass ist mit dem Sherry Tio Pepe seit dem 19. Jahrhundert weltbekannt. Der Firmenchef erläutert, wie er sich mit vielen neuen Weingütern auf dem deutschen Markt durchsetzen will.

DüsseldorfGonzález Byass hat eine lange Tradition: Der damals junge Manual Maria González gründete 1835 das Unternehmen, schloss sich 20 Jahre später mit Robert Blake Byass zusammen. González Byass hatte damals, als Globalisierung noch kein Begriff war, einen Anteil von insgesamt zwei Prozent der gesamten spanischen Exporte. Nun in der fünften Generation führt Mauricio González das Unternehmen. Er hat es noch stärker internationalisiert mit einem diversifizierten Angebot, verkauft zusätzlich Wein, Whiskey, Gin und Brandy. Er hat in den vergangenen Jahren mehrere Weingüter in Spanien gekauft und drängt mit seinem Angebot auch stärker in den deutschen Markt. Das Interview mit Mauricio González, der mit seinem freundlichen und zurückhaltenden Auftreten den Trend zur Internationalisierung verkörpert, entstand während eines Redaktionsbesuchs.

Herr González, wann haben Sie Ihr letztes Glas Sherry getrunken?
Das war vergangene Nacht, sogar ein Glas Tio Pepe. Das habe ich nicht bestellt, sondern es war gegen 23 Uhr ein Willkommensgetränk im Düsseldorfer Hotel. Das hat man mir nach dem Check-in überreicht.

Das haben Sie doch arrangiert …
Nein, der Besitzer des Hotels Medici mag Sherry, das hat mich beeindruckt. Er hat mir das Getränk nicht deshalb überreicht, weil ich im Sherry-Geschäft tätig bin.

Das verwundert, weil Sherry nicht mehr so viel getrunken wird wie noch in früheren Zeiten. Woran liegt das?
Vor etlichen Jahren gab es einen Rückgang der Verkaufszahlen hier. Aber seit drei oder vier Jahren spüren wir wieder eine Sherry-Renaissance. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Vor allem jüngere Verbraucher trinken wieder Sherry. Wir sehen viele, die an entsprechenden Verkostungen teilnehmen. Wir sind optimistisch: Denn früher wurde Sherry nur als Aperitif getrunken, jetzt ist er ein Essensbegleiter. Und zusätzlich wird Sherry beim Mixen von Cocktails benutzt.

Sherry als Essensbegleiter? Welche Lebensmittel passen denn dazu?
Das Schöne am Sherry ist seine Vielfältigkeit. Man hat ein breites Spektrum: Vom trockenen Fino über den körperreichen Amontillado bis zu den komplexen Olorosos – in verschiedenen Farben und Varianten. Das erlaubt uns eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Würden Sie die bitte erläutern?
Ein trockener, eher blasser Fino passt zu allen Fischen oder Meeresfrüchten wie Austern, aber auch zu Schinken. Harmoniert auch gut zu Sushi oder Oliven. Der kräftigere Amontillado mit seiner dunkleren Farbe schmeckt sehr gut zu Thunfisch, aber auch zu Artischocken oder grünem Spargel. Diese Lebensmittel sind eher schwierig mit Weinen zu kombinieren. Die kräftigen, aber noch trocken ausgebauten Olorosos schmecken gut zu Wild, aber auch zu anderen Fleischsorten mit Sauce. Die Sorte passt auch gut zu Käse. Die süßen Varianten bei Oloroso passen natürlich gut zum Dessert, wie zum Beispiel Schokolade, Schimmelkäse oder Eiscreme.

Ihr Unternehmen González Byass ist mittlerweile global aufgestellt, exportiert in 105 Länder. Seit wann ist es ein internationaler Konzern?
Mein Ur-Ur-Großvater gründet das Unternehmen 1835, bereits 1850 verkauften wir Sherry auf allen Kontinenten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte Sherry bereits zehn Prozent des gesamten spanischen Exportes aus, Tio Pepe zwei Prozent. In der jüngsten Zeit sind wir aber noch internationaler geworden.

Wie denn?
Das geschah nicht mit unseren Marken, sondern mit dem Unternehmen. Wir haben unsere eigene Distribution weltweit aufgebaut, um näher an den Märkten zu sein. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts arbeiteten bei González Byass noch zehn Mitarbeiter im Export, fast alle in Spanien ansässig. 15 Jahre später haben wir für diesen Job 90 Mitarbeiter. 80 Prozent von denen arbeiten in den jeweiligen Ländern, in die wir exportieren. Dadurch lernen wir besser, wie der jeweilige Markt funktioniert.

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