Jürgens Weinlese
Gemeine Verschlusssache

Nicht selten müssen teure Weine weg, da der Korken einen Fehler hat. Handelsblatt-Online-Weinliebhaber Jürgen Röder schildert seine Erfahrungen mit Korkfehlern, Alternativen zum Naturkork, und was eine Korkklinik ist.
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DüsseldorfWenn ich an den Korkverschluss von Flaschenweinen denke, fallen mir oft enttäuschte, manchmal sogar wütende Winzer ein. Nämlich Winzer, die beim Öffnen der Flasche einen Korkfehler entdecken und ihren Wein wegkippen müssen. Bei einer Probe von teuren Barolo-Weinen auf einem Gut in Piemont waren gleich drei von sechs Flaschen korkig – zum Entsetzen des Winzers. Diese Weine konnte er nicht mehr verkaufen.

Und dann stelle ich mir die Frage: Was wäre, wenn jede zwanzigste Bierflasche oder Milchtüte weggeworfen werden müsste? Würden sich Verbraucher damit zufrieden geben? Ich glaube nicht. Ein Korkfehler ist leicht zu erriechen; der Wein hat einen unnatürlich muffigen, moderigen Geruch , der an  einen schimmligen Keller sowie Fäulnis erinnert. Der Geruch wird durch die Substanz Trichloraniso (TCA) verursacht. Diese wird bei der Korkherstellung von Mikroorganismen gebildet. Es reichen bereits geringste Mengen, um einen Wein zu zerstören.

Typisch für den Korkfehler ist, dass der Geruch im Glas immer unangenehmer und deutlicher wird. Wenn sich nach 15-20 Minuten der Geruch im Glas nicht verändert hat oder sogar stärker geworden ist – dann haben Sie einen korkigen ungenießbaren Wein erwischt. Und können ihn nur noch wegkippen. Sie sollten auch das Glas auswaschen, bevor sie einen neuen Wein eingießen.

Genau aus diesem Grund gibt es mittlerweile viele Verschlussarten auf dem Markt: Natur- und Presskorken, Glas- und Schraubverschlüsse sowie Kunststoffverschlüsse. Doch die Art, Wein zu verschließen, ist bei vielen Weinkennern gerade in Deutschland eine Glaubensfrage. Viele deutsche Weintrinker bevorzugen den Naturkorken – trotz der Nachteile.

Sogar das französische Spitzenweingut Chateux Margaux, das einen der berühmtesten Weine der Welt erzeugt, zieht mittlerweile eine Abkehr vom Naturkorken in Betracht. Drehverschlüsse hatten ausgezeichnete Ergebnisse gebracht.

Die australische Kellerei Penfolds beispielsweise verschließt ihre Weine für die heimischen Weintrinker mit einem Drehverschluss. „Auf Tradition ausgerichtete Märkte wie Asien, USA oder Europa verlangen Kork“, sagte Sandy Mayo, Marketing-Direktorin von Penfolds, dem Weinmagazin Merum.

Für mich kurios: Penfolds bietet zum Beispiel eine Korkklinik an – wenn auch nur für einen Tag. Dabei können Besitzer von Penfolds-Weinen, die mindestens 15 Jahre alt sind, ihre Flaschen öffnen und bewerten lassen. Falls der Wein noch die Mühe lohnt, wird er mit einem Wein gleicher Sorte wieder aufgefüllt und erneut verkorkt. Bei der letzten Eröffnung der Weinklinik in Deutschland 2008 hat einer 70 Flaschen angeschleppt.

Der Autor ist Wein-Liebhaber und freut sich über Leserreaktionen. Mailadresse: roeder@handelsblatt.com Alle Kolumnen Jürgens Weinlese finden Sie unter www.handelsblatt.com/weinlese

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