Jürgens Weinlese
Das australische Nationalheiligtum

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Geniale Marketingidee

Max Schubert, der Schöpfer des Grange, wusste das von Anfang an – nur seine Landsheute haben ihn nicht verstanden. 1951, als kleiner Angestellter bei Penfolds, begann der Weltkriegsveteran einen Wein zu machen, der es mit den besten Tropfen der Welt aufnehmen sollte.

Er wurde nach einem Schuppen auf dem Gutshof benannt, doch als es zu den ersten Verkostungen kam, wurde Schuberts Kreation von den Australiern als „Gebräu“ abgekanzelt, das „niemand bei klarem Verstand kaufen würde“.

Danach kam die Anordnung vom Management, die Produktion einzustellen. Doch Schubert machte heimlich weiter und ging sogar soweit, die Jahrgänge 1957, 1958 und 1959 hinter falschen Wänden einzumauern, um sie zu verstecken. Dieser Ungehorsam gegen die Chefs war laut Weinkritiker Campbell Mattinson vom „Wine Companion Magazine“ eine der „besten Marketingideen aller Zeiten“. Eine Flasche Grange von 1959 kostet heute in Dan Murphy's Weinhandlung 4750 Dollar.

Dabei ist der Grange laut Mattinson heute noch umstritten – weil sein Geschmack so eigen ist, weil so viel amerikanische Eiche eingesetzt wird, wo der Trend sonst zu weniger Eiche geht und weil für seine Herstellung unterschiedliche Rebsorten aus verschiedenen Regionen verwendet werden. Mit letzterem habe der Grange im übrigen eine Alleinstellung unter den Luxusweinen der Welt.

Der Jahrgang 2008 gilt dennoch als der beste Grange-Jahrgang aller Zeiten, auch weil US-Weinguru Robert Parker ihm 100 von 100 Punkten gab – und seither ist die Flasche in Australien nicht für unter 750 Dollar zu haben. Der am 1. Mai in den Verkauf gegangene Grange 2009 wurde etwas kühler aufgenommen – und ist auch rund 100 Dollar günstiger als der gefeierte 2008er. Mögliche Übernahme-Interessenten wie Kohlberg Kravis Roberts dürfte das nicht abschrecken, denn es gibt Analysten die alleine die Marke Penfolds im Portfolio von Treasury Wines mit drei Milliarden Dollar bewerten.

Doch ob die in den Händen einer Investmentgesellschaft überleben würde, halten viele für fraglich, darunter auch Tony D'Aloisio, ehemals Chef der Australischen Börsenaufsicht ASIC und heutige Besitzer des kleinen Oakridge Gutes im Yarra Valley. „Weingüter brauchen langfristiges Kapital“, sagt er, „Kapital, das zur Not auch 15 oder 20 Jahre auf Ergebnisse warten kann“. Dafür ist KKR jedoch nicht bekannt.

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